Bei Eltern im
Untergeschoss steht ein rund fünfundvierzig Jahre altes Sofa. Auf dem Sofa, das
ich ewig keinen Blick gewürdigt hatte, sitzen Kuschelkameraden und Puppen aus
längst zurückliegenden Tagen, liegen haufenweise Kissen und Decken, die für das
tägliche Leben ausgemustert wurden. Außerdem ein quer stehender, beweglicher
Heizkörper.
Auch Kartons mit Fotos aus Papas und Mamas Leben stehen herum.
Ich nehme an, Papa ist gerade dabei die Fotoschätze einzuscannen und zu
Archivieren?
Über dem Sofa - auf einem an der Wand angebrachte 3-Stockigen Regal - Vaters Tierlexikons,
Mamas Handarbeitsbücher, weitere Lexika, Überraschungseierfiguren und seltsame
Figürchen, lachende Blümchen, kleinen Männern mit zu großem Köpfen und zu
kleinen Körpern, die ebenso im „kleinen Horrorladen um die Ecke“ in der Auslage
ihr Platz hätten finden können.
Wie ich das vollbeladene Sofa betrachtete mit dem darauf befindlichen Chaos bekam ich einen Nostalgie-Flash: „Applaus! Applaus! Applaus!“ Tönte es in meinen Ohren.
Könnt ihr Euch an die quietschfidelen Puppen aus „Jim Hensons“ Werkstatt erinnern? – Ich muss im Kindergarten bzw. geradeso in der Grundschule gewesen sein, als das „ZDF“ die Sendung „Die Muppet-Show“ ausstrahlte.
So lustig ich die „Muppets“
als Kind auch fand, so gab es doch stets eine Stelle, die mich jedes Mal aufs
Neue schreckte.
Bei der Eröffnung der Show
- wo der „Muppet-Song“ gespielt wurde, der ungefähr
so begann: „Jetzt tanzen alle Puppen,
Macht auf der Bühne Licht! Macht Musik bis der Schuppen Wackelt und
zusammenbricht!“ – tauchten, irgendwann mehre riesige Monster auf, die unter
dem untersten Torbogen hindurchliefen.
Ich dachte als Kind, die dürfte man nicht aus dem Theater herauslassen, die
machen bestimmt alles kaputt.“
Die Monsterreihe bestand aus einem zerfledderten grauen Monster. Einem grünem
mit Glupschaugen. Ein dickes Blaues Ungeheuer und riesigen Menschenähnlichen
Zwillingen mit extrem großen Händen und Füßen,
die aussahen, wie „Viktor Frankenstein“ hätte sie höchstpersönlich erschaffen.
Ansonsten, da bin
ich wohl langweilig, mochte ich „Kermit
den Frosch“ sehr gerne. Vielleicht den Klavierspielenden „Muppet“
„Rolf“ noch etwas mehr. Wie ich eben herausfand, die genaue Schreibweise der
Puppe ist „Rowlf“.
„Rolf hatte ich
immer den Eindruck, egal wie das Chaos um ihn tobt, der ließ sich von nichts
aus der Ruhe bringen.
Ebenso lass ich eben zum Recherchezweck, dass er die älteste Figur im „Muppet-Universum“
ist, schon fünfzehn Jahre bevor die „Muppet-Show“ erstmalig ausgestrahlt wurde,
bereits seit 1962 existierte und sogar in einigen Werbespots für Hundefutter zu
sehen war.
Ich erinnere mich an den verrückten Dänischen oder schwedischen Koch, „Gonzo“, die Showhühner, natürlich „Miss Piggy“, „Schweine im Weltall“ und „Tier“ am Schlagzeug. „Statler und Waldorf“ mit ihren bissigen Kommentaren von den Zuschauerrängen. Außerdem den Saxofonisten, der mich stets an „Udo Lindenberg“ erinnerte.
Am prägendsten werden „die Muppets“ jedoch immer für mich bleiben, dass ich
dort erstmals von „Harry Belafonte“ den weltberühmten „Banana Boat Song“ hörte.
Ich von diesem Song ausgesprochen begeistert war.
Ich wochenlang: „Deo, Deo“ durch die Gegend, statt „Day-o, Day-o“ rief und die
Worte schief und schräg sang, wie ich sie als Büblein, ohne jegliche Englischkenntnisse
aufgenommen und mir behalten hatte.
Die andere wichtige Songzeile, die ich ganz besonders mochte, war: „Come, Mr.
Tally Man, tally me banana; daylight come and me wan`go home“– „Harry Belafonte (1956)“. Die ich
im Wechsel mit „Deoooooo“ sang.
Selbstverständlich hatte ich keinen Schimmer, worum es in dem Song ging. Das
war mir als Kind allerdings aber auch Herzlichst egal. Es klang einfach ganz
wunderbar in meinen Ohren.
Bei dem „Banana
Boat Song“ handelt es sich um einen traditionellen Song aus Jamaica. Denn die
Hafenarbeiter sangen, während die Bananen auf die Schiffe geschleppt und
verladen wurden. Wenn die Lohnempfänger die schwere Arbeit erledigt hatten,
warteten sie auf den sogenannten „Tallyman“ der die ordnungsgemäße Verladung
und die Ware überprüfte. Danach durften die Arbeiter endlich Feierabend machen.
„Day-o,
day-o
Daylight come and we want go home
Day, is a day, is a day, is a day, is a day, is a day-o
Daylight come and we want go home – „Harry Belafonte“.
Seltsam was einem alles einfallen kann, ausgelöst nur durch Betrachtung eines alten Sofas und das kreative Chaos darauf, drumherum und darüber! – Findet ihr nicht auch?
Die U21 spielte gegen die Niederlande in der Gruppenphase der Europameisterschaft
1:1. Das unentschieden hatte sich die deutsche Elf aufgrund einer starken
zweiten Halbzeit redlich verdient. – Meiner Meinung wurde frische Kräfte zu
spät eingewechselt.
Ich selbst verlor mich in der Nacht noch in einen Podcast über „Robin Hood“. Eine Figur mit der ich im Speziellen. Meinen ersten alleinigen Kinobesuch verbinde und einige weitere schöne Erinnerungen. Dazu vielleicht demnächst mehr?
„Guten Morgen! – Wer immer ihr auch seid?!“
