Wer bin ich?
Ich weiß nicht, ob es euch manchmal auch so geht, aber ich habe heute in der Sonne gesessen und darüber nachgedacht, wer ich eigentlich bin. Natürlich weiß Ich theoretisch wer ich bin und wenn ich es vergessen sollte, kann ich ja im Ausweis nachschauen. Die Frage ist auch nicht präzise formuliert. Eigentlich interessiert mich eher wie ich geworden bin was ich bin. Was hat mich zu dem gemacht was ich bin. Welche Ereignisse haben Einfluss auf meine Entscheidung gehabt. Sind es die schönen Momente oder doch eher die schweren Augenblicke? Meine wunderbare Kindheit und Jugend? Mit Sicherheit. Selbst die Sticheleien wegen meiner Größe, Verzeihung Länge, sind längst vergessen und haben sich ins Gegenteil verkehrt. Ich bin meinen Eltern unglaublich dankbar, dass sie mir so viel Zeit gelassen haben erwachsen zu werden. Was nicht heißt, dass ich damit schon fertig bin. Ist es die Liebe zu meiner Schwester. Ja, natürlich. Sie ist immer für mich da so wie ich für sie. Freunde sind es natürlich auch. Sie haben mich ja mit geformt und oder sind mit mir gemeinsam groß geworden. Das alles prägt natürlich sehr. Aber es sind auch kleine Ereignisse. Die erste Liebe. Und natürlich der erste Orgasmus. Er ist es ja nicht direkt selbst. Es ist diese kleine Millisekunde vor der Explosion. Dieser kleine Moment wo alles andere ausgeschaltet ist und es nur noch um das eine geht. Dieser Augenblick wo ich nicht genau weiß, ob es schön ist oder weh tut. Dieser kleine Moment der so süchtig macht. Ganz zu schweigen von den ganzen körperlichen Veränderungen auf dem Weg zur Frau. Ich liebe sie, abgesehen von dieser einen kleinen fiesen Idee, die nur uns Frauen betrifft!!! Die hasse ich. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich bemerkt habe, dass sich andere Menschen begannen, sich für mich zu interessieren. Ich habe mich gefühlt wie die Königin der Welt. Ich ahnte damals noch nicht, dass das durchaus auch Probleme mit sich bringt. Das alles war toll und hat mich sicher geprägt. Aber viele, mich jetzt auszeichnenden Eigenschaften, verdanke ich einem sehr einschneidenden Ereignis vor knapp 2 Jahren. Das hat wohl alles verändert. Ich war für eine ziemlich lange Zeit tot und lebendig zur gleichen Zeit. Schrödingers Katze auf die harte Tour. Ich bin beim klettern abgestürzt und trotz aller Erwartungen doch wieder aufgewacht. Wie sich jeder denken kann, war ich danach nicht mehr die gleiche. Ich bin ruhig geworden und rede eher wenig. Das Schreiben ist neuerdings meine Therapie. Das ist befreiend und schützt mich in gewisser Weise vor meinen Dämonen. Das Schreiben und der Wein..... Der eigentliche Roman an dem ich schreibe trägt den Titel : Als ich tot war. Ich weiß nicht ob den je jemand lesen wird aber sollte sich jemand als Lektor finden, ich wäre nicht abgeneigt. Auf jeden Fall sind mir einige Dinge bewusst geworden. Erstens, ich bin nicht hier, um anderen zu gefallen. Es ist schön wenn ihr mich mögt aber wenn es nicht so ist kann ich es nicht ändern. Zweitens das Leben ist zu kurz um sich Gelegenheiten entgehen zu lassen. Ich möchte das Leben mit allen Sinnen erleben. Und drittens mir kann nichts passieren. Was denn auch? Soll ich in die Hölle kommen? Danke aber da war ich schon! Also alles was jetzt noch kommt kann nicht so schlimm sein. Ich bedanke mich für eure Geduld, wenn ihr bis zum Schluss durchgehalten habt. Ich würde mich freuen, wenn ihr auch eure Erfahrungen aufschreibt.
Eure Maria Alejandra Octavia
Oder ganz einfach Evoli
