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Wer bin ich und wenn ja, warum nicht

Marcus
21. April 2021(bearbeitet)
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Wer bin ich? 


Ich weiß nicht, ob es euch manchmal auch so geht, aber ich habe heute in der Sonne gesessen und darüber nachgedacht, wer ich eigentlich bin. Natürlich weiß Ich theoretisch wer ich bin und wenn ich es vergessen sollte, kann ich ja im Ausweis nachschauen. Die Frage ist auch nicht präzise formuliert. Eigentlich interessiert mich eher wie ich geworden bin was ich bin. Was hat mich zu dem gemacht was ich bin. Welche Ereignisse haben Einfluss auf meine Entscheidung gehabt. Sind es die schönen Momente oder doch eher die schweren Augenblicke? Meine wunderbare Kindheit und Jugend? Mit Sicherheit. Selbst die Sticheleien wegen meiner Größe, Verzeihung Länge, sind längst vergessen und haben sich ins Gegenteil verkehrt. Ich bin meinen Eltern unglaublich dankbar, dass sie mir so viel Zeit gelassen haben erwachsen zu werden. Was nicht heißt, dass ich damit schon fertig bin. Ist es die Liebe zu meiner Schwester. Ja, natürlich. Sie ist immer für mich da so wie ich für sie. Freunde sind es natürlich auch. Sie haben mich ja mit geformt und oder sind mit mir gemeinsam groß geworden. Das alles prägt natürlich sehr. Aber es sind auch kleine Ereignisse. Die erste Liebe. Und natürlich der erste Orgasmus. Er ist es ja nicht direkt selbst. Es ist diese kleine Millisekunde vor der Explosion. Dieser kleine Moment wo alles andere ausgeschaltet ist und es nur noch um das eine geht. Dieser Augenblick wo ich nicht genau weiß, ob es schön ist oder weh tut. Dieser kleine Moment der so süchtig macht. Ganz zu schweigen von den ganzen körperlichen Veränderungen auf dem Weg zur Frau. Ich liebe sie, abgesehen von dieser einen kleinen fiesen Idee, die nur uns Frauen betrifft!!! Die hasse ich. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich bemerkt habe, dass sich andere Menschen begannen, sich für mich zu interessieren. Ich habe mich gefühlt wie die Königin der Welt. Ich ahnte damals noch nicht, dass das durchaus auch Probleme mit sich bringt. Das alles war toll und hat mich sicher geprägt. Aber viele, mich jetzt auszeichnenden Eigenschaften, verdanke ich einem sehr einschneidenden Ereignis vor knapp 2 Jahren. Das hat wohl alles verändert. Ich war für eine ziemlich lange Zeit tot und lebendig zur gleichen Zeit. Schrödingers Katze auf die harte Tour. Ich bin beim klettern abgestürzt und trotz aller Erwartungen doch wieder aufgewacht. Wie sich jeder denken kann, war ich danach nicht mehr die gleiche. Ich bin ruhig geworden und rede eher wenig. Das Schreiben ist neuerdings meine Therapie. Das ist befreiend und schützt mich in gewisser Weise vor meinen Dämonen. Das Schreiben und der Wein..... Der eigentliche Roman an dem ich schreibe trägt den Titel : Als ich tot war. Ich weiß nicht ob den je jemand lesen wird aber sollte sich jemand als Lektor finden, ich wäre nicht abgeneigt. Auf jeden Fall sind mir einige Dinge bewusst geworden. Erstens, ich bin nicht hier, um anderen zu gefallen. Es ist schön wenn ihr mich mögt aber wenn es nicht so ist kann ich es nicht ändern. Zweitens das Leben ist zu kurz um sich Gelegenheiten entgehen zu lassen. Ich möchte das Leben mit allen Sinnen erleben. Und drittens mir kann nichts passieren. Was denn auch? Soll ich in die Hölle kommen? Danke aber da war ich schon! Also alles was jetzt noch kommt kann nicht so schlimm sein. Ich bedanke mich für eure Geduld, wenn ihr bis zum Schluss durchgehalten habt. Ich würde mich freuen, wenn ihr auch eure Erfahrungen aufschreibt. 

Eure Maria Alejandra Octavia 

Oder ganz einfach Evoli 



Kommentare (8)

Fürstin der Nacht
21. Apr. 2021, 18:19
Ich ziehe den Hut vor dir, wie offen du hier über dein Leben schreibst. Ich bewundere dich das du es so kannst. Finde ich sehr mutig, das würden sicherlich die wenigsten machen. Aber ich kann mir auch Vorstellen, das es ein helfen kann, seine Gefühle, Ängste und Sehnsüchte einfach mal niederzuschreiben.
Freundchen
21. Apr. 2021, 19:18
Liebe Evoli,

ein offener, bewegender und schöner Beitrag! Das muss man erstmal sacken lassen. Es sind so viele Dinge, die uns prägen und uns zu dem machen, was wir sind. Alles nimmt Einfluss auf die eigene Persönlchkeit. Irgendwann entwickelt man dann ein Bewusstsein dafür, was in seinen Augen richtig und falsch ist oder manchmal eben auch nicht. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, bei manchen ist es größer, bei anderen weniger groß, auch das prägt uns sicher. Wichtig in meinen Augen ist, die negativen Dinge zu verabeiten, zu überwinden und letztlich versuchen immer noch das beste aus seinem Leben zu machen. Mir ist klar geworden, man muss einfach zu sich stehen und man darf auch mal stolz auf sich sein, wer man ist.
Marcus
21. Apr. 2021, 19:42
Dankeschön und du hast sicher recht. Viele Mosaiksteine prägen das Gesamtbild. Einige mehr, andere weniger. Ich schreibe hier gegen meine Ängste und das hilft sogar. Dank solcher Anteilnahme wie die in deinem Beitrag zu sehen ist, traue ich meine innersten Gedanken preiszugeben. Danke dafür. Dafür bekommst du eine ganz feste Umarmung und einen dicken Kuss.
Freundchen
21. Apr. 2021, 20:50
Oh dafür bin ich immer zu haben :):D
Ich danke dir für den Beitrag.
Fizzy Lemon
22. Apr. 2021, 08:35
Natürlich sind es die vielen Ereignisse, die einen Zeit seines Lebens prägen und auch den Charakter formen. Wobei ich der Meinung bin, dass dieser Prozess nie wirklich zum Erliegen kommt. Andere vertreten die Ansicht, dass der Charakter des Menschen mit ca. 30 Jahren ausgeprägt sei. Gerade in der Jugend macht man seine größten und wahrscheinlich einschneidensten Erlebnisse. Die Dummheiten, die aus einer Art Entgrenzung entstehen und einem dadurch wohl seine Grenzen aufweisen. Egal ob das nun in der Reaktion seiner Mitmenschen ist oder durch die eigene Erkenntnis, dass sich das nicht so wirklich gut anfühlte. Irgendein Philosoph sagte mal, dass der Mensch die Summer seiner Fehler sei, wobei er meinte, dass das Leben an sich daraus besteht, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

Auf die Frage "Wer bin ich?" kann man meiner Meinung nach keine pauschale Antwort geben. Das muss jeder für sich gerausfinden. Eine Antwort darauf kann nämlich nur eine individuelle sein.

Erstens, ich bin nicht hier, um anderen zu gefallen. Es ist schön wenn ihr mich mögt aber wenn es nicht so ist kann ich es nicht ändern.

Damit, liebe Evoli, stehst Du auf dem richtigen Standpunkt. Sei Du selbst. Wer Dich so nicht mag, der verdient Dich nicht und muss Dich auch nicht haben. Mache Dich nicht von Anderen abhängig.
Hasal
22. Apr. 2021, 08:49
Schließe mich den Vorschreibern an , jeder hat mit seinen Worten Recht. Jeder macht das Beste draus, auch ob kleines Päckle oder großes Päckle auf den Schultern einer Person ruht.
Marcus
22. Apr. 2021, 13:52
Fizzy Lemon ich danke dir sehr. Natürlich ist Persönlichkeit für jeden anders. Das soll ja auch so sein und ist gut so. Die Resonanz auf meine Gedanken zeigt mir in gewisser Weise, dass ich und meine innersten Gedanken, vielleicht doch den einen oder anderen interessieren. Ich bin wer ich bin und ich werde mich sicher(oder hoffentlich) ja noch weiter entwickeln. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich noch grundsätzlich verändere. Hoffentlich nicht. Eigentlich mag ich es wie ich bin. Ich bin nun mal ein Mensch, der mit allen Sinnen genießt und auch dazu steht. Möge sich das niemals ändern.
Hasal, ich stimme dir 100 prozentig zu. Schön ist es doch, dass wir uns hier gefunden haben und trotz aller Unterschiede anscheinend etwas gemeinsam haben.
Marcus
25. Apr. 2021, 12:58
Genau für solche Dinge liebe ich diese Community.
Es gibt immer wieder mal Situationen, wo zwei oder mehr Mitglieder aneinander geraten. Irgendwie findet sich aber doch (fast) alles wieder zusammen.
Ja, und wenn es um wirklich wichtige Dinge geht stellt man fest, dass auch die, die sonst nur mit blöden Sprüchen um sich werfen, plötzlich sowas wie Freunde sind.
Evoli, deine Geschichte hier und die Reaktionen darauf sind ein wunderbares Beispiel dafür.

Jeder Mensch, egal wie er aussieht, egal wo er herkommt oder welche Sprache er spricht, egal welchen Bildungsstand er hat; jeder Mensch ist ein Individuum und als solches wertvoll.

Nicht jeder Mensch kommt mit jedem klar. Das ist vielleicht schade, aber es ist nun mal so. Aber kein Mensch sollte sich verleugnen um anderen zu gefallen. Jeder soll so sein können wie er ist, solange er damit nicht in eben dieses Recht seiner Mitmenschen eingreift.

Ich bin viele Jahre lang nicht ICH gewesen, zum Teil aus falschem Idealismus, zum Teil aus Dankbarkeit, zum Teil aus Dummheit, und es hätte mich fast umgebracht. Aber am Ende hat es mich zu dem gemacht der ich jetzt bin und so fühle ich mich in mir wohl.

Du hast alles noch vor dir, was ich nicht mehr nachholen kann.
Genieße es so gut du kannst.
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