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Bora Bora

Fizzy Lemon
5. Juni 2021(bearbeitet)
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Ruckelnd setzte das Flugzeug auf der Landebahn des kleinen Flughafens von Bora Bora auf, der im Norden des Atolls liegt. Freundchen klammerte sich bei der ruppigen Landung so fest in die Armlehne seines Sitzes, dass der Kunstlederbezug aufplatzte und die Füllung herausquoll. Blossem hingegen war ganz gelassen und schaute staunend aus dem Fenster der kleinen Propellermaschine. Die Wärme, die einem entgegenschlug, als man aus dem klimatisierten Flugzeug stieg, war wie der Luftstrom aus einem Fön. Es dauerte einen Augenblick, bis man diesen Wechsel verdaute. Da ohnehin nicht viel Betrieb auf diesem Eiland herrschte, konnte man gemütlich auf der Rollbahn warten, bis das Gepäck ausgeladen und in den bereitstehenden Bus verfrachtet wurde.

„Oh, schau mal.... der Berg da!", sagte Blossem ganz aufgeregt zu Freundchen und zeigte auf den Mont Otemanu.

Dieser Überrest eines Vulkans, der aus der Mitte der Insel ragt, ist mit etwas mehr als 700 Metern die höchste Erhebung und natürlich weithin sichtbar. Blossem tippelte hin und her und konnte es kaum erwarten, von dort oben über das Meer und das üppig bewachsene Innere der Insel zu blicken.

„Bitte einsteigen! Abfahrt!", rief der Busfahrer, nachdem das Gepäck verstaut war und alle Passagiere zwängten sich in den kleinen Bus. Kaum hatte Freundchen sich in seinen Sitz gepresst, jammerte er auch schon los, dass er Durst hätte und dass man hoffentlich bald im Hotel sei.

„Nun jammer doch nicht ständig!", fuhr ihn Blossem genervt an. „Wir sind ja gleich da."

„Jaja, immer gleich da.... ich habe Durst und komme um vor Hitze!", maulte Freundchen.

Der Motor des Busses heulte auf und die Fahrt begann.

Da Bora Bora nun keine große Insel ist, erreichten sie bereits kurze Zeit später ihr Ziel. Das von vielen Motiven bekannte Überwasserhotel, das aus mehreren Bungalows bestand, die wie Pfahlbauten über der Lagune des Atolls errichtet wurde, empfing die Gäste mit einer Orchidee, die aus einer der Farmen in der Umgebung stammte. Blossem fielen vor Staunen fast die Augen aus dem Kopf. Sie lief sofort an die Rezeption und ließ sich gleich den Schlüssel für ihren Bungalow geben, zu dem sie dann ungeduldig lief. Freundchen hingegen beobachtete das Ausladen des Gepäcks aus dem Bus und lief dem Hotelpagen nach, der die Koffer zu den Bungalows schleppte. Der Page schaute etwas verwundert durch die Eingangstüre, weil er inmitten des Bungalows Blossem auf allen Vieren sah. Wie ein Hündchen, das etwas interessantes entdeckt hatte, wedelte sie vor Aufregung mit dem Hintern. Dabei drückte sie sich die Nase an dem Glasboden platt, der die Sicht auf die bunten Fische des Korallenriffs darunter ermöglichte. Nicht auszudenken hier zu schlafen. Kaum hatte man die Augen geschlossen, würde man vielleicht einen Hai verpassen, der darunter durch schwamm und sie, Blossem, hätte ihn nicht gesehen!

„Oh, es ist sooooo schön hier!", rief Blossem aus, als sie sich aufrichtete.

Freundchen murmelte aber nur ein „Jaja..." und inspizierte das Bett, dessen Konstruktion in ihm nicht viel Vertrauen erweckte. Ob es ihn halten würde? Es sah schon sehr zerbrechlich aus. Indessen öffnete Blossem schon die Koffer und verstaute die Kleidung und anderes im Schrank, bevor sie voller Ungeduld aus ihren Klamotten und in einen Bikini hüpfte. Schnell noch ein mit bunten Blumen bedrucktes Pareo um die Hüften geschlungen, schon konnte es an den Strand gehen, wo sie unter Palmen liegen und sich sonnen wollte.

Etwas später war es dann auch soweit. Blossem lag mit einem riesigen Lächeln im niedlichen Gesicht unter einer Palme am Sandstrand und blickte über das türkisgrüne Wasser. Von der Strandbar hatte sie sich einen leckeren Cocktail besorgt, den sie durch den Strohhalm schlürfte und sich für kurze Zeit in Gedanken ausmalte, wie es wohl wäre, wenn sie nun mit einen Baströckchen bekleidet, Anna und Lena in Kokosnussschalen verpackt, vor Freundchen tanzen würde. Die Idee war so komisch, dass sie laut losprusten musste, sah sie Freundchen doch in dieser Spongebob-Bermuda, deren Aufdruck so unvorteilhaft ausfiel, dass die Nase von Schwammkopf ausgerechnet im Schritt war. Nun ja, dann rümpfte der gelbe Schwamm halt mit der Nase, wenn sich Anna und Lena im Takt der Musik bewegten.

„Was lachst Du denn?", fragte Freundchen verwundert und blickte von dem Reiseführer auf, in dem er eben las.

„Ach nichts.... ich freue mich nur hier zu sein.", sagte Blossem und zwinkerte ihm zu.

„Schau mal... „, sagte Freundchen und zeigte ihr ein Bild in dem Buch, „..sollen wir uns diese prähistorischen Petroglyphen anschauen? Die sind ziemlich einzigartig."

„Machen wir dann, aber nicht jetzt!", säuselte Blossem Freundchen zu und lehnte sich an ihn an.

Sie genoss einfach dieses Märchen, das ihr zuteil wurde mit jeder Faser ihres Körpers.

Am nächsten Tag nahmen die beiden ihr Frühstück im Bungalow zu sich, wobei sie wie hypnotisiert durch den Glasboden schauten und den silbrig glänzenenden Barrakudas zusahen, die sich ebenfalls ihr Frühstück erjagten. Sogar ein kleiner Rochen schwamm lustig unter ihrem Bungalow umher, so als ob er wissen würde, dass er damit Blossem eine Freude machen würde. Vor lauter Staunen vergaß Blossem beinahe das Kauen und saß mit vollgestopften Backen da und schaute dem Treiben in dieser bunten Unterwasserwelt zu. Für sie stand fest, dass sie dort schnorcheln wollte. Unbedingt!

Freundchen wollte lieber eine Ausfahrt mit einem dieser Touristen-Glasbodenboote machen, die hinaus fuhren, wo sich die größeren Tiere aufhielten und sich nicht mit Kleinvieh unter dem Bungalow abgeben. Blossem hingegen nahm sich sofort Tauchbrille, Flossen und Schnorchel und schwamm dem Fremdenführer hinterher. Freundchen verdrehte nur die Augen, steckte die Hände in die Hosentaschen und trabte davon in Richtung Anleger. Er buchte für sich selbst einen Platz auf dem Boot, das alsbald ausfuhr und ihn zu diesen Hairudeln außerhalb der Lagune brachte. Blossem schwamm wie ein Fisch durch die Korallen und schaute sich die bunten Riffbewohner, aber auch die kleinen Kraken an, die hier überall zu finden waren. Wenn man sie denn entdeckte, denn viele der Kraken können sich mit dem Farbenspiel ihrer Haut so gut an den Untergrund anpassen, dass sie nahezu unsichtbar werden. Eine Fähigkeit um die sie Blossem beneidete, denn manchmal würde sie sich auch nur zu gerne unsichtbar machen können.

So verging ein weiterer unvergesslicher Tag auf diesem paradiesischen Eilande und die beiden Urlauber fielen platt von den vielen Unternehmungen ins Bett, wo sie tief und fest schliefen.

Am nächsten Tag wanderten sie an den zur Straßenverschönerung eingepflanzten Hibiskussen vorbei in Richtung des dicht bewachsenen Inselinneren. Blossem wollte sich ja einen Führer buchen, aber Freundchen war der Meinung, dass man sich sowas sparen könnte. Die Insel sei zu klein, als dass man sich dort verlaufen hätte können und er wisse sowieso wohin es ginge, weil er alles in dem Reiseführer gelesen hatte.

„Na, wenn das mal gutgeht...", seufzte Blossem, lief Freundchen dann aber kommentarlos hinterher.

Tatsächlich kam man nur schwer voran in dem grünen Dickicht des Landesinneren. Es war auch kaum erschlossen, da die Menschen überwiegend am Strand lebten und das Inselinnere nicht wirklich für ihren Lebensunterhalt brauchten. So überlassen sie es lieber der Natur, die sich auf dem basalthaltigen Boden ausbreitet und einigen endemischen Arten eine sichere Heimat bietet. Tief versteckt in diesem Grün finden sich überwuchtert von Farnen und Eisenhölzern, zu denen auch „Metrosideros carminea" - wie Freundchen dank des Reiseführers wusste - zählt, viele sogenannte „Marae". Diese Relikte der polynesischen Ureinwohner sind Zeremonienplattformen, deren genaue Bedeutung nie richtig erschlossen wurde. Daneben sind in Felswänden eingravierte Zeichnungen, die Höhlenmalereien gleichen, aber eben nicht mit Farbe auf den Stein gemalt, sondern in den weichen Basalt geritzt wurden. Staunend betrachteten Blossem und Freundchen diese Überreste vergangener Zeiten und hielten kurz inne. Lauschten der Stille und versuchten die magische Aura dieses rituellen Ortes in sich aufzunehmen.

Danach stiegen sie weiter empor in Richtung Gipfel des Mont Otemanu.

Schnaufend und klatschnass geschwitzt erreichte Freundchen den Gipfel, auf dem bereits Blossem im Schneidersitz saß und diesen umwerfenden Ausblick über die erloschene Caldera des Vulkans genoss, der dieses Atoll einst entstehen ließ. Vor der Lagune am Korallensaum erkannte man die „Motus", kleine oft begrünte Riffinseln, die aber nur in Polynesien so genannt werden. Mit einer tiefen Befriedigung flüsterte Blossem: „Das ist das Paradies!"

So weit das Auge reichte war nur noch blaues Meer zu sehen. Man war verloren inmitten einer Welt, die nicht immer Gutes für einen bereithielt und fühlte sich trotz dieser Abgeschiedenheit sicher und von allen Sorgen befreit.

Plötzlich grummelte etwas. Blossem zuckte aus ihrer Träumerei auf und warf Freundchen einen bösen Blick aus ihren dunklen Augen zu. Der schaute sie nur verdutzt an.

„Hast Du etwa schon wieder Hunger?", fragte Blossem zornig.

„Was? Wer? Ich? wie kommst Du drauf?", erwiderte Freundchen mit hochgezogenen Schultern.

„Ich höre Deinen Magen knurren, dass die ganze Insel wackelt!", warf ihm Blossem vor, die ihn für die Störung dieses paradiesischen Augenblicks verantwortlich machte.

„Das war ich doch gar.....", begann Freundchen seinen Protest, doch konnte er gar nicht mehr weitersprechen. Ein ohrenbetäubendes Rumpeln setzte ein und übertönte jegliches Geräusch um einen herum. Die Insel fing tatsächlich an zu beben und das Wasser der Lagune begann zu blubbern, als ob es kochen würde! Von Panik erfüllt, krallte sich Blossem an Freundchen. Sie schrie ihn an, dass er was machen solle, aber was das eigentlich sein sollte, wusste sie selbst nicht. So standen sie beide nur aneinander geklammert auf dem Gipfel des Mont Otemanu und schauten erschrocken auf das unerwartete Naturschauspiel. Der Vulkan erwachte zu neuem Leben!

Die Fische der Lagune flüchteten ins offene Meer und die Erschütterungen des Bodens wurden immens. So stark, dass ganze Korallenbäume abbrachen und die Pfähle unter den Bungalows wie Streichhölzer wegknickten. Der Boden der Lagune brach auf und glühend heiße Lava schoß fontänenartig empor. Überall zischte es und ein penetranter Geruch nach faulen Eiern erfüllte die Luft. Das Inferno brach über das Paradies herein!

Blossem wollte nicht verstehen, was in dem Moment vor sich ging. Sie hielt sich nur regungslos an Freundchen fest, der in aller Seelenruhe in seine Arbeitstasche griff, die er mit in den Urlaub nahm, und ein Knoppers daraus hervorholte. Er biss hinein und wurde im Nu zu SuperFreundchen, dem strahlenden Held, der schon so viele Abenteuer bestand. Er umfasste Blossem bei der Hüfte, hielt sie ganz fest und flog hinauf in den Himmel. Weit genug entfernt von dem Rumoren der Erde und den gigantischen Kräften, die das Paradies verheerten. So erging es einst Krakatau und Thera und nun wohl auch Bora Bora.

„Hoffentlich wird der Ausbruch nicht zu stark sein und vieles der Insel übrig lassen. Dann kann sich die Natur erholen.", sagte Freundchen zu Blossem als er sich anschickte zurück in die Zivilisation zu fliegen. „Die Hotels kann man wieder aufbauen. Aber schade um die vielen Tiere und Pflanzen, die nun der Lava zum Opfer fallen. Komm, wir fliegen nach Hause."

Blossem weinte, angesichts der Zerstörung ihres Paradieses, aber zugleich auch vor Freude von ihrem Held gerettet worden zu sein. Sie hielt sich ganz fest an ihm, bis sie sicher am rund 260 Kilometer entfernten Strand von Tahiti landeten.

„Och ja... hier ist es auch ganz nett.", sagte Blossem, kaum, dass sie den feinen Sand zwischen ihren Zehen spürte. „Du kannst ja nach Hause fliegen. Ich bleib noch ein bisschen hier."



Kommentare (6)

Hasal
05. Juni 2021, 17:08
Sehr schön geschrieben, eine Person die Unternehmungslustig ist und eine Person , die sagt ,, Ich habe Urlaub'':D. Gegensätze ziehen sich ebend immer an ;)
Freundchen
06. Juni 2021, 07:58
Es gibt auch noch andere Sachen als Knoppers :p
Fizzy Lemon
06. Juni 2021, 09:24
Nicht für SuperFreundchen! :p
blossem
07. Juni 2021, 18:08
?? du hast es wie arsch auf Eimer getroffen!!!! Du bist der beste und freundchen hat nun ne Menge nachzuholen!!!!
Jenny
08. Juni 2021, 07:44
Also für meinen Geschmack kommt Super Freundchen hier einfach zu gut weg :o. Aber sonst eine tolle kleine Geschichte,die Spaß macht zu lesen.:D
punktal
09. Juni 2021, 13:22
Eine tolle Geschichte, mit vielen Einzelheiten von der Landschaft und den Tieren, dass man es vorm geistigen Auge richtig sehen kann. Danke
Freundchen kommt wirklich glimpflich davon, und fliegen kann er auch noch. Gibts auf der Insel eig. Kryptonit? ^^ ;)
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