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"Leben ist das was passiert"

John Baker Sander
19. Juni 2021(bearbeitet)
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Eigentlich kann ich ja dieser Affenhitze nichts abgewinnen und noch weniger diesem gleißenden Sonnenlicht, das speziell meinen lichtempfindlichen Augen sehr zu schaffen macht, aber manchmal können genau solche Dinge nun doch eine unverhofft positive Auswirkung auf (m)ein Leben haben.
Selbst, wenn es nur bedeutet, dass man einen neuen Menschen kennenlernt, von dem noch nicht abzusehen ist, wie lange die Person in meinem Leben verweilen wird.

Am späten Mittwochnachmittag wanderte ich, da ich noch über eine Stunde Zeit hatte um den geplanten Bus nachhause zu nehmen durch die kleinen Parkanlagen die mich sicher ins „Wormser Luginsland" leiten sollten, dass ich fotografieren mochte.

Jedoch kam ich nur ein Bruchteil meines Weges voran.
Lag da doch in der prallen Sonne eine Frau auf einer der zahlreichen Parkbänke und schlief vermutlich.

Ich dachte zuerst an; ignorieren weitergehen!
Dann nach intensiver Beobachtung an das schlimmstmögliche, was mir gerade einfiel; vielleicht hat sie, so knallrot wie sie im Gesicht ist, zusätzlich wirkten ihre Lippen doch arg blass ein Hitzschlag oder ähnliches erlitten?

Zeitgleich mit dieser Feststellung entdeckte ich, dass unter der Bank ein Hund im Schatten lag. Dabei fröhlich mit dem Schwanz wedelte. Vor ihm stand ein Napf mit Wasser.
Ich bin ja nun wahrlich nicht der größte Hundefreund auf Erden aber den kleinen Kerl – vielleicht ein Rauhaardackel? - fand ich putzig.

Ich blieb im Abstand von ca. 5 m vor der Bank stehen, auf der die Frau noch immer lag.
Schon weil sie eine Frau war, war berühren oder ein sachtes anstoßen (natürlich) nicht drin.
Ich beschloss ihr zum aufzuwachen eine Minute Zeit zu geben.
Sollte sie auf meine Rufe nicht reagieren, sofort den Notruf zu wählen, um somit Hilfe zu holen.

Glücklicherweise, schlug sie tatsächlich vor Ablauf des Countdowns die Augen auf.
Ich war extreme erleichtert. Erst recht als ich sah, wie sie sich in Sekundenschnelle aufgesetzt hatte und es ihr offenbar an nichts fehlte.

Noch besser fand ich, dass sie mir meine minutenlange Gafferei – auch wenn diese nur gut gemeint war - nicht krummnahm.

„Tati" – so stellte sich mir die ehemals schlafende Dame vor – und ich kamen überraschend schnell miteinander ins Gespräch.
So eine gute Stunde saßen wir auf der Bank nebeneinander und klapperten auf unterhaltsame Weise (ohne uns dabei allzu sehr in Details zu verlieren) die Eckdaten voneinander ab.
Bevor wir auf Themen wie Umwelt, Leben, die Fotografie und wie schön unbeschwerte Tage sein können zu sprechen kamen.

Im Anschluss tauschten wir bereitwillig, das ist absolut unüblich für mich, die Mobilphonenummer miteinander aus.

Wobei ich ihr natürlich auch mitteilte, dass ich ihr aller Voraussicht kein toller Gesprächspartner über das Mobilphone sein werde.
Woraufhin „Tati" mich breit angrinste und mit einem tiefen glucksen meinte: „Ist schon okay."

Wir liefen quasselnd – samt Hund „Charlie" - durch die Parkanlage zurück, vorbei am Luther-Denkmal, durch die Fußgängerzone.
Wobei „Tati" zwischendurch jeden anderen Hundebesitzer freundlich per Zuruf oder zumindest mit einem Handzeichen grüßte.

„Tati" verblüffte mich, in dem sie fragte: „Wollen wir nicht morgen Nachmittag was zusammen mit „Charlie" unternehmen?" – Woraufhin ich ohne zu zögern – und ausgesprochen erfreut - einwilligte.

Ich muss zugegeben ich fühlte mich schon stark gebauchpinselt wie sie nach einer gemeinsamen Unternehmung fragte.

Ich kam gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Da „Tati" mir zeigte, wo sie wohnte und ich sie am Folgetag abholen könnte.


Wie kann man nur so viel Vertrauen (sofort) in Menschen haben?
Ich hätte mich (wahrscheinlich) von niemanden nach dem ersten – wenn auch unbeabsichtigten - aufeinandertreffen bis vor die eigene Haustür begleiten lassen?!


Mit einem inspirierenden Lächeln, einer herzlichen Umarmung und einem ausgesprochen fröhlichen wie Lebensbejahenden „Danke, bis morgen" wurde ich verabschiedet.
Dann nahm „Tati" ihren „Charlie" unter den Arm, dreht sich nochmals zu mir um, winkte mir mit der freien Hand zu und verschwand samt Tier hinter einer äußerst massiven Tür in das Mietshaus.


Ich musste anerkennen das „John Lennon" zweifelsfrei recht hatte als er behauptete: „
Leben ist das was passiert, während Du dabei bist andere Pläne zu machen".



„Guten Morgen! – Wer immer ihr auch seid?!"




Kommentare (6)

Hasal
19. Juni 2021, 10:00
Wow John, da siehste Mal , wie schnell sich was ändern kann . Eh Du Dich versiehst, hast wieder jemanden kennen gelernt :D. Ich finde es aber toll , so bist du nicht alleine in der Stadt und kommst raus .
Fizzy Lemon
19. Juni 2021, 10:23
Klingt nach einem netten sommerlichen Tete-a-Tete aus dem mehr werden könnte...
Nighty78
19. Juni 2021, 20:48
John ich finde es schön wenn manche noch so offen und mutig gegenüber fremde sind. ich bin es nicht mehr manchmal finde ich es schade aber ich bin auch erleichtert manchmal so zu sein. ich nutze whats app gerne mit fremden( chats ) aber mein leben meine kinder kennen nur wenige.
aber ich glaube das du allein durch dein besorgtes auftreten der frau einen guten eindruck vermittelt hast. einen guten bekannten für Gespräche ist doch immer was gutes :)
John Baker Sander
19. Juni 2021, 23:57
Ich danke euch für die tollen Kommentare!

Ja, manchmal spielt das Leben einem schöne Streiche.

Night78 du machst das meiner Meinung 100% richtig. Ich würde mir an dir da 100% ein Beispiel nehmen.


LG und Herzilchen Dank!
Jenny
20. Juni 2021, 17:09
Oha John,sollte Dein Singleleben bald ein Ende haben :D ?.Es gibt Menschen,zu denen habe ich auch sofort vertrauen,weil sie mit ihrer ganzen Art einem das Gefühl geben,das dieser Mensch es gut mit einem meint.So wie ich Dich bisher kennenlernen durfte,wärst Du auch so ein Mensch für mich.Wenn ich so an meine wilde Zeit denke,als ich bedenkenlos mit Typen nach Hause gegangen bin,die ich gar nicht kannte,da schauderts mir richtig.:o
John Baker Sander
20. Juni 2021, 23:10
Hallo, Jenny!

Vielen Dank für diese unsagbar tolle Kompliment. Das mir Seele und Herz extremst gestreichelt hat.

Ja, aber du warst auch noch jünger. Offenbar hast du doch aus deinen Fehlern gelernt! - Jetzt siehe da, bist du wichtiger Faktor deiner eigenen Familie.

Soweit ich das erkennen kann, auch eine ausgesprochen tolle Frau!

Das Kompliment kann ich nur zurückgeben. - Ich kann mir nicht vorstellen, dich nicht zu mögen!

Habe eine wunderschöne neue Woche!- Danke!
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