Es läutet, unerbittlich. Der Kirchturm leistet ganze arbeit, ich drehe mich um. Oh, wo lieg ich denn hier. Wohnzimmer, der Blick schweift umher. Die Fenster sind noch gekippt, die Balkontür ist auf. Mene Augen durchsuchen die Umgebung. Da ist er ja, der Kater. Bav, er hat kein Ausreiss genommen. Wie spät ist es? 12:00Uhr, nochmal dreh ich mich um. Meine Hand geht ans Smartphone, 4 Nachrichten, Spin, Whatsapp, es ist 12:21Uhr. Kurz öffnen, ah okay..hat Zeit. Antworten? Nein.
Meine nackten Füße gehen auf den kalten Boden. Durst, ein Knopfdrücken an der Maschine, schwarzes Gold rinnt in die Tasse, danach meine Kehle hinab. Ein paar Schluck. Die Tasse wandert mit. Der gang ins Bad. Mehr wie ein müdes zusammenbinden der Haare wird es nicht. Der Wasserhahn geht auf. Sie rauscht ein, die Flut in meine Wanne. Duschen? Bin zu daneben. Ich geh ins Wasser, ganz. Liegen und treiben. Bis das große Becken voll ist mit Hitze und Schaum noch die Tasse leeren. Langsam gehen alle Fenster zu, die Klamotten fliegen raus in den Wäschekorb.
Schlafzimmer, das Bett seit zwei Tagen nicht mehr berührt, ich stehe in der Tür und nehm einen weiteren Schluck aus meiner Tasse. Da ist er wieder, der Traum. Still ordne ich die Decken und Kissen von vorgestern Nacht. Vorgestern Nacht war 20 Minuten lang. Diese wurde ich an ihrem Ende angekommen auf meinem Sofa wach.
Langsam sortieren sich die Gedanken, ich gehe an den Laptop. Lesen. Texte von Autorenfreunden. Kommentiere kurz. Ping, wieder eine Whatsappnachricht. Ein Augenverdrehen, ich öffne, "Na gestern Out of order?", ein leises müdes "Ich melde mich nach dem einkaufen", klimpert sich mit verschreibenden Tastenanschlägen zurück und nieder. Schalte den Flugmodus ein. DU, heute nicht, auch wenn ich dich charmant und süß find. Denke ich mir.
Kontrollblick in die Küche, das Geschirr von zwei Tagen. Wo wohl die Besitzerin war? Weit weit weg. Der Stapel wird sortiert und das Spülbecken eingelassen. Katerchen bekommt Frühstück. Die Wanne im Bad geht aus, voll und zu heiß. DIe kühle des bewölkten Tages verschafft mir eine Gänsehaut, dritter Stock, niemand sieht mich.
Meine Ersten Worte heute, auch nur 3-4 kleine Worte. Ich schalte mir "C Block - so strung out" ein und zwischen meiner aufsteigenden Migräne schwirren die Fragen umher. Irgendwo zwischen ich muss aufs Amt und wo gehe ich einkaufen, vor allem was brauche ich das auf die Einkaufsliste muss, dieses leisen "schreib doch einfach nieder was du geträumt hast". Nebenbei läuft da noch der Gedanke, nun soll ich auf alle anderen eingehen und ihnen ihre Nachrichten beantworte, was ich getan hab und wo ich wohl war und das nun sie wach seien dafür das ich in den Schlaf gefallen bin.
Kaffee Tasse zwei, es dampft aus dem Bad raus, der Kater legt sich happy neben mich. Mittlerweile bin ich bei "Gregor meyle - dir gehört mein Herz " und "Lina Maly - fühl", Einkaufsliste, egal ich fahr dann so los. Werd schon was finden was ich essen mag.
Die ersten Mails gehen raus, müder morgen, erschlagener morgen. Die anderen sind bestimmt schon voll im Mittag kochen, Mittagspause machen oder Kinder hütten und ärgern.
Ich geh ins Wasser...schmunzel...
