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Luftmatratze 4

Fizzy Lemon
7. Juli 2021(bearbeitet)
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Tim:

Die Hitze machte den Asphalt so heiß, dass die Schuhsohlen leicht daran kleben blieben. Man hörte das Ziehen des Gummis auf dem Boden, wenn man einen Schritt tat. Alissa war in ihr Handy vertieft und ich wusste nicht so recht, ob ich sie ansprechen oder gar in ein Gespräch verwickeln sollte. Da ich eher den Eindruck hatte, dass sie in Ruhe gelassen werden möchte, sagte ich nichts weiter, sondern nickte ihr nur zu, als sie einen beiläufigen Blick auf mich warf. So warteten wir stumm auf den Bus, der mit ordentlicher Verspätung um die Ecke gewackelt kam, anhielt und mit zischendem Geräusch seine Türen öffnete. Alissa und ich stiegen ein, suchten uns in dem schon fast überfüllten Bus einen Platz, wobei sie eher vorne einen Sitzplatz ergatterte und ich mich weiter nach hinten durch die schwitzigen Leiber der anderen Passagiere bugsierte, wo unter dem Deckenfenster noch ein Stehplatz für mich frei war. Der Luftzug, der durch die Dachöffnungen durch das Innere des Busses zog war ganz angenehm, auch wenn eine Klimaanlage wohl besser gewesen wäre.

Endlich in der Stadt angekommen, fühlte man den Luftstrom des leichten Windes, der sich nun einstellte und etwas der drückenden Schwüle vertrieb. Die Menschen drängten aus dem Bus und irgendwo in diesem Gewusel verschwand auch die zierliche Gestalt Alissas. Ich lächelte ein bisschen in mich hinein, obwohl ich zugegebenermaßen etwas traurig über den Verlust ihrer Gesellschaft war. Doch für meinen Müßiggang war wohl in der hektischen Stadt kein Platz und es kam mir auch so vor, als ob Alissa in Eile gewesen wäre.

Am Kiosk unweit der Haltestelle kaufte ich mir eine Wertmarke und tippte den Code in mein Smartphone, das mir gleich die erfolgreiche Aufbuchung anzeigte und ich wieder für kurze Zeit all die wichtigen und unwichtigen Anrufe tätigen konnte. Da ich nichts weiter an diesem Tag vorhatte und auch keine große Lust verspürte in den beengten Räumen meines Zuhauses herumzulümmeln, zog ich es vor in den Stadtpark zu gehen und mich dort im Schatten eines Baumes am Rand des Seerosenteichs ins Gras zu setzen und etwas über mich und mein verkorkstes Leben nachzudenken. Ich betrachtete dabei die Leute um mich herum, die jungen Mütter, die ihre Kinderwägen vor sich herschoben, die tobenden Kinder an dem Spielplatz auf der anderen Seite des Teiches, aber auch die gemächlichen Enten, die unbeeindruckt von dem Trubel der Menschen ihre Bahn auf dem Wasser zogen oder sich im Schilf, das am Ufer gepflanzt war, zur Ruhe begaben.

Ich schloss die Augen und durch das leichte Flackern des Sonnenlichts, das durch meine geschlossenen Lider kam, sah ich plötzlich das Antlitz von Alissa. Ging mir diese Frau nicht mehr aus dem Kopf? Sicher, eine faszinierende Ausstrahlung hatte sie. Und die geheimnisvolle Aura, die sie umgab, machte sie nicht weniger spannend. Natürlich hatte sie auch den Reiz des Neuen inne, was auch eine Rolle spielte. Aber dass sie mich so in ihren Bann gezogen hatte, nach den kurzen Begegnungen, die wir nur hatten, verwunderte mich.

Die Zeit verging wie im Fluge und ich sollte mich sputen, noch den letzten Bus in das „Reich der Verlierer", wie ich unsere Siedlung immer nannte, zu erwischen. Sonst müsste ich per Anhalter fahren oder schlimmer, weil unerschwinglich teuer, ein Taxi nehmen. Ich stand auf und verließ den Park, dessen durch Verdunstung angenehm feuchte und kühlere Luft mir gut tat und spürte in den Häuserschluchten wieder den Druck der Sonne und die neuerliche Schwüle, die schon bald kräftige Gewitter nach sich ziehen würden. Tatsächlich erwischte ich auch noch den letzten Bus, der wie immer etliche Minuten zu spät war, als ob er sich sträuben würde, dorthin fahren zu müssen. Und wie immer war der Bus hin ins „Reich der Verlierer" leerer, als umgekehrt. Welch Wunder... wer von dort weg kann, nutzt die Gelegenheit und will so schnell nicht mehr zurück. Bei jeder Fahrt wird mir das klar und lässt mich wieder an Alissa denken und die Frage nach dem „Warum?" in meinem Kopf kreisen.

Der Bus hielt so ruppig an, dass ich mich an der Stange festhalten musste. Hatte der Fahrer die Haltestelle verpennt oder warum stieg er so in die Bremse? Egal, die Türen schwangen auf und ich verließ den Bus. Die Sonne brannte immer noch unerbittlich auf diese Asphaltwüste in der kein Baum Schatten spendete und das einzige Anzeichen von Natur der wuchernde Löwenzahn war. Meinen Schlüsselbund in der Hand sortierend ging ich auf meinen Wohnblock zu und sah Alissa, wie sie mit vielen Taschen und Päckchen auf der Treppe saß. Hatte sie geweint? Etwas ihrer Wimperntusche zog sich als dunkler Faden über ihre Wange hinab und gab ihr wirklich einen tieftraurigen Ausdruck.

„Hallo Alissa. Was ist los? Alles in Ordnung?", fragte ich sie unvermittelt.

„Nein, ich finde meinen Schlüssel nicht und ... ach... lass gut sein...", sagte sie verhalten und winkte mit der Hand ab.

„Na komm....", gab ich mit einem Kopfnicken in Richtung Haustür von mir, steckte den Schlüssel ins Schloss, öffnete die Tür soweit, dass der Schließer einrastete und die Tür somit offen hielt. Dann griff ich mir die größten Päckchen und stapelte sie so, dass ich sie hinein tragen konnte.

„Hast Du das alles alleine hierher geschleppt?", fragte ich Alissa über die Päckchen hinweg.

„Ja... äh, danke Tim.", erwiderte sie leicht abwesend, als sie etwas aus ihrem Briefkasten fischelte.

Die ersten Päckchen stellte ich vor ihrer Wohnungstür ab und ging nochmal schnell zurück um die letzten Päckchen zu holen, die ich mir nicht zutraute, dazu zu packen. Die Tür entriegelte ich, damit sie wieder ins Schloss fallen konnte und eilte den Flur entlang. Alissa öffnete mit dem Ersatzschlüssel, den sie in ihrem Briefkasten auf eine schlaue Art so deponierte, dass sie ihn ohne Weiteres daraus hervorholen konnte, ihre Wohnungstür, schaute mich nochmal an und nun endlich kam ein Lächeln in ihr Gesicht.

„Nochmal Danke Tim. Das war sehr nett von Dir.", sagte sie und ein leichtes Strahlen lag in ihren himmelblauen Augen.

„Äh, ja gerne... immer wieder.", stammelte ich und wusste nicht, was ich nun tun sollte.

Ich stand da, glotzte diese Frau an, wie sie die Päckchen in ihre Wohnung schob, mir noch schnell keck über die Schulter hinweg zum Abschied winkte und dann die Tür hinter sich zuwarf. Es kam mir plötzlich dunkler in dem Flur vor, nicht nur, weil kein Licht mehr aus der geöffneten Wohnung hinein fiel, sondern weil das Strahlen dieser Frau fehlte. Was war mit mir los? Ich schüttelte mit dem Kopf, ging in meine Wohnung, ließ mich auf das Sofa fallen und vom Ventilator kühlen.

...

Luftmatratze 3

Ich sitze an der Bushaltestelle und mein hintern klebt schon an der Bank. Ich gucke auf mein Handy toll der Bus hat Verspätung. Ich gucke durch meine Sonnenbrille auf das Haus wo ich seit einigen Tage wohne. Warum ich hier bin? Frage ich mich auch di
...

Luftmatratze 5

Ich sitze hier auf der Treppe, weiss nicht ob das alles ein Fehler war die Tränen haben zugenommen ich weiss nicht wie lange ich schon hier sitze. Die Sonne ist immer noch stark und ich spüre wie sie mich von innen austrocknet. Mein Glück keiner komm


Kommentare (5)

Hasal
07. Juli 2021, 16:46
Super wieder , wird immer interessanter . Bitte mehr davon
blossem
07. Juli 2021, 17:41
Ach du scheisse da soll ich jetzt noch mithalten. Sogar in der Geschichte bist du (Tim) der Retter.
Fizzy Lemon
07. Juli 2021, 21:42
Du kannst sehr gut mithalten. Hast Du doch in den letzten Teilen bewiesen. Nur zu.... welch dunkles Geheimnis verbirgt Alissa?
Jenny
08. Juli 2021, 20:46
Ihr macht das beide mega gut,bin gespannt was da noch kommt :D.
Marcus
12. Sept. 2021, 12:35
Eine wirklich rührende Geschichte und es ist noch spannender, wenn man die Autoren kennt.;)
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