Lunaria-Galaxie
Blog Übersicht»Luftmatratze 10
Zurück

Luftmatratze 10

Fizzy Lemon
11. Juli 2021(bearbeitet)
1 Aufrufe
Noch nicht bewertet
Tim:

„Nein, ich will das nicht mehr!", schrie ich schon panisch Sabina, meiner Ex-Frau, entgegen.

Sie hatte doch wirklich die Nerven frühmorgens bei mir aufzutauchen und mir mit Rechnungen zu kommen, die ich von weiß-der-Kuckuck bezahlen sollte. Ist ihr eigentlich klar, dass alles, unsere Ehe, unsere gemeinsame Existenz den Bach runter ging? Klar, sie hatte ja keine Probleme damit, sich einen Neuen zu suchen, bei dem sie sorglos unterkommen konnte. Aber ich stand da mit Nichts. Der sprichwörtliche nackte Mann, dem sie nun auch noch versuchte in seine nicht vorhandenen Taschen zu greifen.

„Wie auch immer... soll ICH etwa diese Kosten tragen? Kosten, die DU verursacht hast?", giftete sie mich förmlich an.

Konnte ich mich wirklich so in dieser Frau täuschen? Ich hätte nie solch bösartiges Verhalten an ihr vermutet und so lange alles in Ordnung war und sie sich mit Shopping und Vergnügen befassen konnte, war sie auch die liebende Ehefrau. Doch als es dann schwierig wurde, war man plötzlich eine Last für sie und das Eheversprechen ein totaler Fehler. Nun gut, ein Fehler war es, das merkte ich ja dann, als sie mich mit allen Problemen alleine ließ. Der Kerl, der sie abbekam, konnte mir leid tun. Natürlich war sie immer noch eine attraktive Frau, doch das schöne Äußere konnte mich nicht mehr über ihr verdorbenes Inneres hinwegtäuschen. Die letzten Jahre schaute sie mich nicht einmal mit dem Hintern an und nun stand sie plötzlich vor meiner Tür, mit einem Stapel Rechnungen und einem Schrieb von einem Anwalt.

„Von was soll ich das denn bezahlen? Du hast mir schon alles genommen, was ich hatte und die Schulden werden auch nicht kleiner. Nun kommst Du auch noch daher und willst, dass ich den Zahlesel mache! Hast Du überhaupt eine Ahnung, wie es mir geht? Schau Dich doch um! Wo bin ich gelandet? Ganz unten im Dreck der Gesellschaft.", echauffierte ich mich.

„Interessiert es mich, wie Du Dein Leben verpfuscht hast?", erwiderte sie darauf hin blasiert und zog eine Augenbraue hoch, was ihrem stark geschminkten Gesicht einen besonders spöttischen Ausdruck verlieh. „Meine Probleme werden das nie und wenn Du die Rechnungen nicht zahlst, wird es Dir schlecht ergehen. Dass Du das weißt!"

Damit warf sie mir den Stapel Papiere entgegen und stob davon. Als sie die Wohnungstür aufriss, erschrak sie, weil etwas umfiel. Meine Matratze. Wutschnaubend trabte Sabina davon und ich war irgendwie froh, dass sie nicht länger dieselbe Luft wie ich atmete.

Mit den Händen in den Taschen meiner ausgefransten Jogginghose stand ich da und schaute eine Weile in den leeren Flur, dessen Luft sich langsam wieder von Sabinas giftigen Ausdünstungen säuberte. Dann hob ich meine Matratze an, trug sie in die Wohnung und legte sie wieder zurück auf den Lattenrost. Erst jetzt sah ich den Zettel, der daran klebte und las ihn. „NACHBAR", groß geschrieben. Ich merkte, dass mir eigentlich bislang noch gar nicht klar war, wie ich zu Alissa stand. Genaugenommen war sie eine Frau, die ich erst seit ein paar Tagen kannte - oder eigentlich auch nicht kannte. Sicher, ich wusste wie sie aussieht, wie sie klingt, sogar wie sie riecht und ich wusste ihren Namen. Das war es aber auch. Kennen wäre also viel zu viel gesagt. Das Geheimnis, das sie zweifellos in sich trägt und das ihr auch einen gewissen obskuren Reiz verlieh, machte sie interessant und ließ mich oft an sie denken. Obwohl ich ja wahrlich andere Sorgen hatte. Stimmt, ich war ihr Nachbar. Wir wohnen gegenüber. Und ich half ihr aus, in dem ich ihr die Tür öffnete, die Päckchen trug und ihr meine Matratze über Nacht borgte. Das würden Nachbarn füreinander tun. Aber ich sprang auch besorgt auf, als sie in der Nacht schrie und zögerte nicht, mich sofort darum zu kümmern. Würden das Nachbarn tun? Würde die alte Kozlowski sich darum kümmern, wenn Alissa schreit? Vielleicht nur, damit sie ihre Ruhe hat. Wenn überhaupt.

Es ist schon interessant: Ich stehe in meinem Schlafzimmer, vor meinem Bett, auf dessen Matratze eben eine eigentlich noch immer wildfremde Frau schlief und denke mehr über ihre Sorgen und Nöte nach, als über die Probleme, die mich an diesem Morgen heimsuchten und um die ich mich doch eigentlich viel dringender kümmern müsste? Meine Hand streifte über die Matratze und ich fühlte förmlich Alissas Körper, der sich wie in den weichen Flor eingebrannt zu haben schien.

...

Luftmatratze 9

 Ich gehe zurück ins Zimmer und muss grinsen, der Mann hat mir echt seine Matratze ins Zimmer gestellt, er ist schon sehr nett für einen Fremden. Ich lege mich auf seine Matratze und sie Recherche nach ihm, der Geruch fühlt sich geboren und es f
...

Luftmatratze 11

Ich sitze hier in der noch leeren Wohnung, die Einkäufe weggepackt, und jetzt eine eiskalte Cola. Plötzlich höre ich ein poltern und ein fluchen die Stimme kenne ich, springe auf und reisse meine Wohnungstür auf und erblicke einen zerzausten Tim mit


Kommentare (3)

Hasal
11. Juli 2021, 17:18
Super wieder und noch kein Happy End :(. Wird aber langsam mal Zeit
möchen
11. Juli 2021, 19:28
:( ac die arme sabine wieder wunder schön geschrieben noch kein happyend;)
Jenny
12. Juli 2021, 08:01
Was für eine Schlange,ich hoffe Tim bekommt noch die Kurve und zahlt es ihr heim....oder er meuchelt sie heimlich nieder :D.
Einloggen um zu kommentieren.