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„Sommerlicher Cha-Cha-Cha mit Tati“

John Baker Sander
11. Juli 2021(bearbeitet)
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In der Zeitung war zu lesen, dass der Busstreik ab Montag endgültig beendet wäre. Bereits ab Donnerstag, 8. Juli würde jedoch der Großteil der Busse wieder nach Fahrplan durch die Gegend rollen.

Ich war natürlich etwas angespannt, wollte ich doch herausfinden was mit „Tati" los sei und eine dementsprechende Schimpfkanonade entfuhr mir als der Bus nicht auftauchte. – Der angesetzte Bus eine Stunde später fuhr dann glücklicherweise aber doch fahrplanmäßig nach Worms (… und damit hoffentlich auch zu „Tati").

Im Bus war auch die in der gesamten Verbandsgemeinde bekannte Frau G.
Eine Frau um die 50 Jahre, die ihre Hunde liebt, sehr Kontaktfreudig ist und jedem von ihrem Leben und Problemen erzählt. Da ich der einzige Fahrgast war, wurde ich als Zuhörer auserkoren.

Was aber in Ordnung war, da sie meiner Meinung nach niemanden was Böses will, insgesamt Vernünftig wirkt.
Frau G. erzählte von ihrem Hund der Krebs hat und der momentan mit einem Halsband mit Heilsteinen durch die Gegend läuft, der neben dem Rat des Tierdoktors, zusätzlich den Krebs bekämpfen soll.; leichtes Stirnrunzeln bei mir.

In Worms dauerte es einige Minuten bis ich mich aus der Gesellschaft von Frau G. befreit hatte, jedoch nicht, weil sie mir so schrecklich unangenehm war, sondern mir „Tati" unter den Nägeln und im Herzen brannte.


Da es für einen Samstagmorgen doch noch recht früh war, beschloss ich erst meine Einkäufe zu erledigen und dann „Tati" mit meiner Person – in der Hoffnung sie tatsächlich anzutreffen - zu konfrontieren.

Aber bereits beim „Rossmann" schlug mein Herz schneller.
Denn angeleint vor der Tür lag unverkennbar „Charly." Von seinem Frauchen war allerdings weit und breit nichts zu sehen. So, dass ich angespannt vorm Geschäft – dabei immerzu vom linken auf den rechten Fuß wippend – stehenblieb.

Was würde passieren: Würde mich „Tati" gleich zum Teufel jagen ohne ein Wort der Erklärung? Würde sie einfach Charly ab-leinen und gehen? … oder würde sie, was mir am wahrscheinlichsten schien, mich begrüßen und wir würden uns zumindest kurz vernünftig miteinander austauschen?

„Tati" sah mich. Strahlte mich an. Lief auf mich zu. Gab mir einen dicken Wangenkuss. Bevor ich überhaupt dazu fähig war ein Wort herauszubringen. Dann erklärte sie mir, dass ihr Handy gesperrt war, ohne Aufforderung zeigte sie mir auch einen Ausdruck, der das bestätigte.

„Tati" bildet noch bis September mit einem sehr viel älteren Mann eine Wohngemeinschaft. Für den „Tati" Einkäufe erledigt und auch sonst macht es mir den Anschein, dass sie ein Auge darauf hat, das es ihrem älteren Mitbewohner gutgeht.

Da ich zum Frühstück nichts heruntergebracht hatte, auch „Tati" meinte, dass sie einen Happen vertragen könnte suchten wir uns ein Speiselokal in gemütlicher Atmosphäre. „Tati" machte mir einen Asiaten schmackhaft. Gegenüber des ehemaligen Wormser Kaufhofes.

Ich war voller doofer Klischees.
Sah mich schon in schlimmster Art und Weise mit Stäbchen experimentieren, schwerfällig die Nahrung in meinem Mund schaufeln. Ich war erleichtert, wie man uns vertraute Gabel und Messer als Essbesteck hinlegte.

Wir entschieden uns beide für Reis mit Hühnerfleisch und dazu bekamen wir verschiedenen Soßen auf den Tisch gestellt. – Halleluja, nicht nur „Tatis" Gesellschaft war ein Gedicht, sondern auch das Gericht. Ich mochte auch das „Tati" komplett auf das Messer, das man bei den kleinen Brocken aus Hühnerfleisch und dem Reiß nicht brauchte, einfach wegließ.
Ich tat es ihr gleich.

Diese Frau ist einfach so unkompliziert. – Für mich eine mehr als gelungene Premiere beim „Asiaten".

Etwas später um den scharfen Geschmack wieder loszuwerden ließen wir uns in einem „Eiscafé" nieder. Charly waren wir zu langweilig, dieser rollte sich unter der Sitzbank zusammen und schlief.

„Tati" bestellte sich einen kleinen „Toffifee-Eisbecher" und ich einen Krokant Becher. Beim Eislöffeln versuchte ich mich an Komplimenten, u.a. welche wunderschönen grüne Augen „Tati" hat. Woraufhin sie losprustete und mir erklärte, dass diese nicht Grün, sondern Meeresblau seien. Was ich verneinte, sie immer wieder bejahte, wir waren zu albern und sicher auch zu laut, da wir irgendwann beide verlegen feststellten, dass wir auch die Aufmerksamkeit sämtlicher anderer Tische auf uns gezogen hatten

Was ich allerdings mit am meisten mochte, dass wir in unseren Gesprächen eine so bunte Themenpalette abgrasten. Von
albern bis ernst und wieder zurück. Wir sprachen über Kreativität, uns, Vorlieben, Stärken und Schwächen ein Mischmasch aus Religion und Politik über das Lesen – OH JA SIE LIEST AUCH!!! – und unsere Einstellung zum Leben.

Der Abschluss unserer Tour für diesen Samstag bildete das „Empire". Das direkt an einem kleinen Park nahe dem Stadtzentrum liegt.
Wo wir uns niederließen um noch den Süßkram mit einem Mineralwasser herunterzuspülen.

Ich mag auch die kleinsten Gesten an ihr, wenn sie sich die Haare hinters Ohr zurück streicht, wie sie die Lippen spitzt, wenn sie zuhört, oder sich auf die roten Lippen beißt, wenn sie nachdenkt, sie lacht und lächelt, ganz besonders ihre Neugier und wie verspielt sie ist, wenn sie mit einem Strohhalm die Eiswürfel im Glas mit Mineralwasser herunterdrückt oder darin herumrührt, das ein Wasserorkan im Glas entsteht.


Ich weiß auch, wenn sich das mit „Tati" nicht in puren Wohlgefallen aufgelöst hätte, hätte die Überschrift dieses Blogeintrages „There´s no place for Fairy Tales" gelautet.


Ich brachte „Tati" bis vor ihre Haustür. Wo eine längere Verabschiedungs-Umarmung erfolgte, bei der sie sich für den „schönen Tag" bedankte.
Es mag sexistisch sein, wie ich sie im Arm hatte, zu diesem Gedanken stehe ich dennoch, dachte ich nur; sie fühlte sich unglaublich (in meinen Armen) an. Sie ist ungemein zart (und so weiblich). Dennoch merkt man was für eine ungeheure starke Persönlichkeit sie ist.

Am Montag sehe ich „Tati" wieder. – Gelle, blöde das der Sonntag dazwischenliegt.
?


In mir tanzten die Glücksgefühle Cha-Cha-Cha.
Das die Busse um 20 Uhr und 21 Uhr nicht auftauchten, machten mir kaum etwas aus. Schließlich fuhr ich mit dem Zug zum nächstgelegenen Bahnhof meines Heimartortes und beschloss dann, die knapp 3,5 Km per Fuß über den Radfahrerweg zurückzulegen. … doch auch hier war mir das Glück hold, Vater rief mich über das Mobilphone an, während ich noch im Zug saß, fragte, ob alles in Ordnung wäre, ob er mich abholen solle? – Was er natürlich auch tat.

Ich habe diesen Samstag sehr geliebt. Der kein bisschen voraussehbar war. Der wie ein Überraschungsei war. Voller Süßkram, Spannung, Spiel, so unglaublich viel mehr & vor allem gesegnet und erinnerungswürdig durch die Gesellschaft dieser wundervollen Frau!



„Guten Abend! – Wer immer ihr auch seid!?"





Kommentare (2)

Hasal
11. Juli 2021, 18:33
John , ich freue mich für Euch , siehste , nun weißt auch , warum Funkstille war . Aber das ist vergessen . Ihr habt einen schönen Tag oder Stunden zusammen verlebt ;)
Jenny
12. Juli 2021, 08:21
Hach wie romantisch, könnte fast von Rosamunde Pilcher sein. :D Schon toll wie Du Tati beobachtest, wie Du alle ihre Eigenarten war nimmst. Wenn das keine Liebe ist, weiß ich es auch nicht. :D
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