„Tati" und ich hatten uns geeinigt uns gegen 13 Uhr vor ihrem Wohnhaus zu treffen. Meine Freude darüber überschwänglich.
Schon im Bus schwärmte ich mir vor. „Ein kleines bisschen Alltag und ganz, ganz, ganz viel „Tati".
Ich sah uns schon gemütlich im Innenbereich eines Cafés sitzen und zu plaudern. Dabei den Rest der Welt gekonnt zu ignorieren. Die Hände ineinander liegen zu haben und den Regen durch die Fensterscheiben zu lauschen und zu beobachten.
Ja so dachte und erhoffte ich mir das …
Zwischen 13 Uhr und 14 Uhr war von „Tati" nichts zu sehen.
Es regnete heftig. Ich hatte mich gegenüber von ihrem Wohnhaus in eine der großen Laden-Fensternische gesetzt, um nicht nass zu werden.
Ich schrieb ihr über mein Mobilphone:
„Hallo, Tati! – Ich versuche es nochmal um 14 Uhr 30. Hoffe, es geht dir gut? Ich freue mich sehr auf dich". – Auf Anrufe reagierte sie leider auch nicht.
Sorgen, machte ich mir keine. Dazwischenkommen kann einfach immer Mal etwas. Das war bei mir ja auch schon des Öfteren so. – Wenn auch bisher nicht bei „Tati".
Um 14 Uhr 30 – 15 Uhr 30 saß ich wieder gegenüber vom „Tatis" Wohnhaus.
„Hey, das Wetter ist wie für uns gemacht, um gemütlich in einem Café zu sitzen. Wenn das Wetter besser wird, können wir im Anschluss noch mit Charly eine Runde drehen?
Bitte, bitte schreibe mir! Ist mit dir alles in Ordnung?"
Meine Anrufversuche waren ebenso alles Fehlschläge.
Ich tingelte ziemlich gelangweilt durch die Stadt. … und doch war ich Hoffnungsfroh und sicher, nun gleich endlich mich an „Tatis" Gesellschaft erfreuen zu können.
Um 16 Uhr schlüpfte ich mit einem anderen Bewohner ins Mietshaus in dem auch „Tati" lebt. Ich klopfte an jede einzelne der Wohnungstüren, doch bis auf eine Frau mit südländischem Erscheinungsbild und einen Mann der ein schwarzes T-Shirt mit der grünen Aufschrift: „Move" trug, öffnete mir kein anderer Bewohner seine Wohnungstür.
Auf die Frage nach der vermissten „Tati" gab es jeweils nur ein Schulterzucken.
Also zurück in die Fensternische. … und weiter warten! … und warten … !
Um 16 Uhr 53 schrieb ich „Tati" innerlich etwas angefressen und doch noch voller Hoffnung.
„Ich weiß leider nicht was mit dir oder überhaupt los ist? Ich bete darum, dass es dir gut geht und du wohlauf bist?
Du weißt, wenn du keine Lust auf mich hast, ist das natürlich vollkommen in Ordnung, einfach bitte schreiben oder sagen, und du hörst nie wieder von mir.
Ich bibbere natürlich darum das dem nicht so ist!
Bitte melde dich dringend bei mir. Ich wüsste gerne was los ist?
PS: Ich freue mich noch immer so sehr darauf dich zu sehen!"
Um 17 Uhr 24 verließ ich meinen Warteplatz.
Trottete einige Meter traurig durch die Stadt. Nur um am Obstladen, direkt neben der Drogeriekette „Rossmann", komplett – von einer Millisekunde auf die andere - euphorisch zu werden. Endorphine hüpften und sprangen.
Sah ich doch dort eindeutig, unverkennbar ihren – „Tatis" Hund angeleint.
Leider war meine Euphorie nur von kurzer Dauer.
Genauer bis „Tati" aus dem Laden kam.
Ich war gerade dabei mir die Schuhe währenddessen zuzubinden. Sie hatte mich gesehen, eindeutig. Für einen Moment trafen sich unsere Blicke.
„Tati" eilte im Marschschritt zu ihrem Tier. Leinte es ab. Entfernte sich von mir mit Siebenmeilenschritt. Bis ich meine Fassung einigermaßen wieder gefunden hatte, dauerte es.
Ich lief ihr hinterher und rief: „Tati" warte bitte!"
Tatsächlich blieb sie sofort stehen. ; Jetzt wird alles gut!!! ;
Ich fragte sie: „Warum rennst du denn von mir davon?"„Tati": „Mach ich doch gar nicht".
Daraufhin eine ungesunde stille zwischen uns.
„Tati" fand zuerst die Sprache wieder: „Wie geht's dir?" Ich war leicht verwundert über die Frage und besonders diese unbekannte kühle in ihrer Stimme. Beantwortete die Frage aber wahrheitsgemäß: „Jetzt wo ich dich endlich sehe, natürlich sehr viel besser! Sofort schob ich die Frage hinterher: „Wie geht's dir, alles in Ordnung, hast du meine Nachrichten nicht gelesen. Meine Anrufe nicht gesehen. Energisch schüttelte „Tati" den Kopf. „Nein!"- Das musste ich erstmal verarbeiten, konnte ich mir doch darauf keinen Reim machen.
; Okay, dachte ich, ich hake das ab. Schließlich habe ich sie hier vor mir, live und in Farbe und offenbar gesund und munter, was will ich denn mehr?
; Also haken wir das ab Neustart.
„Hast du Lust was trinken zu gehen, wir suchen uns ein Café oder sonst ein trockenes Plätzchen?" Im ungewohnt harschen Ton ließ sie mich wissen: „Nein, mir ist es heute zu nass." Worauf ich nochmals betonte, dass wir uns ja einen trockenen Platz zum Reden suchen könnten, was sie erneut quittierte mit den Worten: „Mir ist es viel zu nass".
„Möchtest also Nachhause?"„JA!!!!!" – Ich hatte mehrere Momente schwerstes Herzziehen nach dieser glasklaren Entscheidung gegen meine Person.
Wie ich so „Tati" ansah, die kein bisschen fröhlich wirkte. Auch ihre Körperhaltung und besonders ihre wunderschönen Augen wirkten einfach nur ausgesprochen müde und verdammt Traurig. Dazu wirkte sie in ihrer Jogginghose und den langen Haaren zu einer Art unordentlichen Dutt zurechtgemacht zusätzlich alles andere als 100%tig fit. – Was mir weitere Stiche ins Herz versetzte.
Ich beschloss sie nicht noch einmal mit meinen Stunden des Wartens oder mit meinen Unbeantwortet gebliebenen Anrufen zu konfrontieren.
Das hätte wahrscheinlich eh nichts gebracht.
Stattdessen fragte ich so sanft wie möglich: „Wollen wir die paar Schritte bis zu deiner Haustür gemeinsam gehen". „Tati" nickte.
Es blieb beim nebeneinander hergehen.
Mir fehlten die Worte und ich war ziemlich überwältigt von der Gesamtsituation. „Tati" wollte, das war eindeutig, nicht mit mir reden.
An der Türe angekommen. Fiel mir nichts Blöderes ein als: „Das war es wohl, ich habe nicht das Gefühl das wir uns wiedersehen?"
„Tati" nickte auffällig entschlossen. Sie war mit einem Fuß schon in der Tür. Ließ ihren Hund hineinlaufen, dreht sich zu mir nochmals um, ging einige Schritte auf mich zu, umarmte mich zu meiner Verwunderung fest & herzlich.
Ich tat es ihr gleich. - Gefühlt eine Minute später, schlug die Haustür fest zu. – Aus!!!!!
Selbst die unbeantworteten Anrufe und Nachrichten. Das ein oder andere mysteriöse Rätselraten an ihr, dass immer wieder vertrösten ändern überhaupt für mich nicht daran, dass „Tati" eine tolle, interessante und hübsche Frau in meinen Augen ist und (hoffentlich auch) bleibt.
Ich ihre Neugier und Verspieltheit besonders aber ihren Charakter sehr schätze. Unsere Gespräche mir in Fleisch und Blut übergegangen sind.
Dass ich in den vergangenen Wochen mit ihr mit Abstand die schönsten Momente verlebt hatte.
Ihr Lachen, dieses echte unwiderstehliche Lachen wird mir sicher noch ewig in den Ohren klingeln.
Danke „Tati"!
Dennoch, ist es wahrscheinlich besser so, auch wenn gerade mein Herz ungewohnt schwer ist!
„Guten Abend! – Wer immer Ihr auch seid?!"
