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Luftmatratze 16

Fizzy Lemon
19. Juli 2021(bearbeitet)
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Tim:

Auf Alissas Sperrbildschirm war das Portrait eines Mannes zu sehen. Ist das der Vater ihres Kindes? Ich wollte sie schon fragen, doch unterließ ich es besser, weil ich keine Wunden aufreißen wollte. Statts des Schlüsseldienstes, den ich mir ohnehin nicht leisten hätte können, rief ich bei Rudi, dem Hausmeister an. Er hatte einen Generalschlüssel und öffnete häufig den unfreiwillig Ausgesperrten ihre Türen. Zum Glück hatte Rudi nicht viel zu tun an diesem Tag und versprach gleich zu kommen. Ich bedankte mich bei ihm, legte auf und gab Alissa ihr Handy wieder, als sie mit zwei Tassen Kaffee zu mir auf das Sofa kam. Rudi würde sich schon melden, wenn er da ist. Solange konnte ich auch mit Alissa einen Kaffee trinken.

Rudi war schon ein zuverlässiger Kerl. Es dauerte nicht einmal eine Viertelstunde und er stand an meiner Tür und klapperte mit einem gigantischen Schlüsselbund herum, bei dessen Anblick man sich fragte, wie die Hose von Rudi nur an Ort und Stelle bleiben konnte, bei dem Gewicht der Schlüssel, die er an einer Kette hatte. Er sperrte mir die Tür auf und ich klopfte ihm freundschaftlich und anerkennend auf die Schulter. Rudi unterstand sich einen bissigen Kommentar wegen des rosa Handtuchs abzulassen. Er schmunzelte einfach nur, verabschiedete sich und ging wieder zu seinen sonstigen Einsätzen, die das „Reich der Verlierer" in Massen zu bieten hatte. Vor allem frustrierte Jugendliche ließen ihre Wut gerne an der Einrichtung aus und Rudi war dann derjenige, der die Trümmer und Scherben beseitigen und instandsetzen musste. Bei dem ganzen Frust, der hier herrschte, eine wahre Sisyphusaufgabe.

Endlich wieder in meiner Wohnung zog ich mir erstmal etwas an, damit der unfreiwillige FKK-Urlaub beendet war. Der Kaffee, der durch die Maschine lief, war mittlerweile kalt. So kalt, wie die Atmosphäre in meiner Wohnung, die am Abend zuvor noch so erhitzt war. Ich schüttete den kalten Kaffee in den Ausguss der Spüle und nahm schnell zwei Scheiben Toastbrot aus der Verpackung, zwischen die ich eine Scheibe Käse legte und aß. Danach schnappte ich das rosa Handtuch, das ich Alissa zurückgeben wollte und verließ meine Wohnung. Diesmal aber erst, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass ich meine Schlüssel in der Hosentasche hatte.

Ich verschloss die Tür und hörte hinter mir plötzlich eine mir sehr bekannte Frauenstimme.

„Hallo Tim.", sagte Martina zur Begrüßung und ich schaute auf.

„Martina! Hallo. Welch Überraschung. Wie kommst Du hier her? Was machst Du hier?", fragte ich meine alte Schulfreundin freudig überrascht.

Mit Martina verband mich eine sehr lange Freundschaft. Eine innige Freundschaft vor allem. Man kann nicht behaupten, dass es sich um eine Sandkastenliebe handeln würde, denn dafür hatten wir uns zu spät erst kennen gelernt, aber wir machten unsere gesamte Schulzeit hindurch so viel Blödsinn und standen für einander ein, dass uns ein besonderes Band zusammenhielt. Über die Zeiten und den Wandel des Lebens hinweg. Martina war immer für mich da. Wenn ich ein Problem hatte, konnte ich mich an sie wenden und meist hatte sie sogar eine Lösung dafür. Damals in der Schule riskierte sie sogar ihren Arsch für mich, nahm eine Schuld auf sich und wäre beinahe von der Schule geflogen. Ein Einsatz, den ich ihr heute noch hoch anrechne. Nur die Ehe mit Sabina trübte dann die Freundschaft. Sabina mimte gerne die Eifersüchtige, auch wenn sie nicht wirklich eifersüchtig war, sondern nur gerne die Leute trat, die am Boden lagen. Martina warnte mich damals sogar vor dieser Frau und machte mich auf die Verschlagenheit in ihrem Blick aufmerksam, die ich aber nicht sah oder sehen wollte. Martina sagte es zwar nicht, aber ich denke immer noch, dass sie mir die Hochzeit mit Sabina übelnahm. Jedenfalls kühlte unser sonst so warmes freundschaftliches Verhältnis merklich ab und Martina ging auf Abstand zu mir. So deutlich, dass sie sogar meine Anrufe ignorierte. Und nun stand sie plötzlich da, hier im Flur des Wohnblocks im „Reich der Verlierer", in das mich nicht zuletzt auch diese verdammte Ehe brachte.

„Du schaust gut aus.", sagte ich charmant und meinte es tatsächlich so. Mein Blick glitt an dieser brünetten Frau mit dem sexy Körper, der sich bei ihr mehr und mehr nach der Schulzeit entwickelte, entlang. Sie betonte das auch gerne mit diesem engen schwarzen Bandeau-Top, dass zwangsläufig die Blicke auf ihr Dekollete zog. Dazu die schwarze Jeans, die ihre Hüften umschmeichelte und in der sie einen wahren Knackarsch hatte. Zu unserer Schulzeit hatte sie noch einen eher burschikosen sportlichen Körper, doch nun zeigte sich ihre Weiblichkeit, die ich erst jetzt, nach der langen Zeit der Trennung so richtig erkannte.

„Danke, Du ... nicht.", sagte Martina lachend.

„Na...", fing ich gespielt tadelnd an um gleich darauf wieder in freundschaftlicher Weise zu fragen: „Was treibt Dich her? Ist ja eine Ewigkeit her, dass wir uns sahen."

„Ja, ist es. Ich weiß, dass es nicht so eine tolle Idee war, Dich einfach links liegen zu lassen. Aber Du wolltest nicht auf mich und meine Warnungen bezüglich Sabina hören und nun siehst Du, was Du davon hast. Tim, ich bekam mit, was Dir passierte und will Dir helfen, hörst Du?", sagte Martina.

„Du kannst mir nicht helfen. Und ich will Dich damit nicht belästigen.", wehrte ich ab.

„Tim, Du bist mein Freund und bist mir wichtig. Wenn ich helfen kann, dann sag was und ich mache es. Da kannst Du Gift drauf nehmen."

Als Martina das sagte, kam sie näher zu mir, griff meinen Nacken und zog mich zu sich. Ganz unvermittelt küsste sie mich und ich war wie perplex. Noch nie hatte mich Martina geküsst. Wir taten so viel miteinander früher, ringten um Schokoriegel, schwammen nackt in Weihern und vertrauten uns jedes Geheimnis an, doch geküsst oder mehr hatten wir nie. Daran dachten wir auch nie. Zumindest ich nicht.

Plötzlich ging die Tür zu Alissas Wohnung auf und ihre blauen Augen starrten uns an. Ich wand mich aus Martinas Umarmung und drehte mich zu Alissa um. Doch bevor ich etwas sagen konnte, warf sie die Tür wieder zu.

„Wer war das?", fragte Martina.

„Alissa. Meine neue Nachbarin.", antwortete ich knapp.

„Ich muss gehen, Tim. Hier ist meine neue Handynummer. Ruf mich an, wenn Du was brauchst oder wenn es Dir nach mir ist, ja?", sagte Martina und drückte mir eine Visitenkarte von ihr in die Hand. Dann gab sie mir einen Kuss auf die Wange und verabschiedete sich mit den Worten: „Bis bald, Tim."

Ich sagte nichts weiter, sondern nickte nur und schaute Martina noch nach, wie sie den Flur entlang ging und dann ins Treppenhaus verschwand. Mit dem Rücken an die Flurwand gelehnt wartete ich ab, was nun passieren würde. Dabei fragte ich mich, ob ich nun an Alissas Tür klopfen sollte oder besser nicht. Wie wirkte diese Szene auf sie, die mich selbst so überraschte, dass ich mir noch gar nicht wirklich darüber bewusst war? Ich hätte eher mit großem Reichtum oder dem Weltuntergang gerechnet, als mit dem plötzlichen Auftauchen von Martina. Und ihren Küssen, die mich irgendwie ratlos dastehen ließen. Ging sie etwa deshalb damals auf Distanz zu mir, weil ich ihre Gefühle verletzte, als ich mit Sabina anbandelte? War für Martina etwa mehr als nur Freundschaft, wenn auch eine sehr starke, mit im Spiel?

Während mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, riss Alissa plötzlich wieder die Tür auf und kam mit rötlichen Augen in den Flur. Sie wollte an mir vorbei gehen, regelrecht vor mir flüchten, doch ich stellte mich hin, fasste ihr Handgelenk und sagte bittend: „Alissa, bitte warte!".

Alissa drehte sich zu mir um und schaute mich bitterböse aus immer noch verheulten Augen an.

„Lass mich los. Fass mich nicht an, fass mich nie wieder an!", spie sie mir fauchend entgegen, entwand sich meinem Griff und lief eilig davon.

Ich stand nur da, mit hängenden Schultern und wusste nicht recht, was ich machen sollte. Immer noch war das rosa Handtuch, das ich eigentlich Alissa zurückgeben wollte in meiner Hand. Seufzend öffnete ich meine Tür, ging in die Wohnung, setzte mich auf das Sofa und streichelte nachdenklich über das Handtuch. Sollte ich Alissa anrufen? Ach nein, das ging ja nicht, weil wir immer noch keine Nummern getauscht hatten. Wieso eigentlich nicht? Und warum schaute ich nicht nach ihrer Nummer, als ich ihr Handy benutzen durfte? Vielleicht wäre es auch gar keine gute Idee gewesen, wenn ich mich nun aufgedrängt hätte? Ihr Blick sprach schließlich Bände. Dann kam mir eine Idee. Ich stand auf, nahm mir einen Block und einen Kuli, setzte mich an den klapprigen Resopaltisch, der in meiner Küchenzeile stand und den ich scherzhaft als „Bierdeckel" bezeichnete, weil er nicht arg viel größer als ein solcher war, und begann Alissa aufzuschreiben, wer Martina war und weswegen sie mich aufsuchte. Warum sie mich küsste, schrieb ich nicht, weil ich es selbst nicht wusste. Dafür schrieb ich Alissa genau das.

Als ich das fertig geschrieben hatte, legte ich das Handtuch vor ihre Tür und darauf den Brief, mitsamt meiner Handynummer. Dann ging ich in meine Wohnung und harrte der Dinge.

...

Luftmatratze 15

Ich liege hier in seinem Bett, was habe ich nur getan? Scheisse scheisse scheisse er ist unter der Dusche also meine Gelegenheit hier abzuhauen. Ich möchte ihm nicht den selben Schmerz zufügen wie ich es auch bei Leo getan habe. Also ohne zu überlege
...

Luftmatratze 17

Ich sitze im Auto ohne loszufahren, wohin soll ich schon fahren? Ich habe hier niemanden keine Freunde keine Familie. Also starte ich den Motor und fahre einfach in der Gegend rum ohne nachzudenken. Die Sonne scheint und brennt mir meine Tränen ins G


Kommentare (3)

Hasal
19. Juli 2021, 10:37
Immer wieder diese blöden Pechsträhnen, entweder Ex Frau oder beste Freundin aus Jugendtagen. Wo soll das noch hin führen :(. Kein Wunder , dass Alissa Ihm nicht begegnen will mehr. Jetzt muß aber mal wieder was positives erscheinen ;)
möchen
20. Juli 2021, 18:35
:( wieder eine wunder schöne gesichte ach wenn ich doch auch so schöne geshichten schreiben könnte;)
Jenny
21. Juli 2021, 00:39
Da haste Dich ja gut raus gewunden :D. Bin mal gespannt was Alissa jetzt wohl machen wird.:o
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