Ich habe ein Klassenfoto gefunden und Angesehen aus dem Jahre1995.
War von mir - oder meinen damaligen Ich - leicht enttäuscht.
Nicht weil ich auf dem Bild dumm aus der Wäsche schaute, zumindest auch nicht dümmer als die anderen Mitschüler.
Sondern, weil ich die meisten Namen dieser Klassenkameraden vergessen habe. Sämtliche Namen hat mein Gedächtnis verloren.
Wenn ich überlege, was ich von diesen Klassenkameraden wusste oder weiß, ist die Antwort ernüchternd, so gut wie nichts.
Auch bringe ich aus diesen zwei Schuljahren kaum irgendwelche Anekdoten oder Erinnerungen zusammen. Selbst welche erfinden würde mir wohl schwerfallen!
Das war das Jahr wo es nicht „Klick" zwischen meinen Mitschülern und mir machte. Ich in der Klasse durchaus meinen Platz hatte, aber das eher ein „Hallo" und „Goodbye" war.
Wie wohl damals der Austausch mit Handys verlaufen wäre? Oder gar - auch wenn daran (noch) nicht zu denken war - mit „WhatsApp"?
Vielleicht war das aber auch der entscheidende Auslöser, dass ich heutzutage so viel neugieriger auf Menschen bin?
Ich Interviews liebe, auch selbst sehr gerne Fragen stelle und gerne Geschichten von Menschen mir erzählen lasse, anhöre oder lese?
Was mir schwerfällt einzusehen, dass man in Sachen Hochwasser-Opfer viel mehr davon spricht, wer versäumt hat die Menschen ausreichend zu informieren, wer nun Schuld trägt?
Anstatt davon zu sprechen, wie man Familien, Häuser und Dörfer wieder flott macht?
In jedem Magazin, ob Radio oder TV spricht man nur von Schuldzuweisungen. Was ja durchaus ein Thema sein kann, vielleicht sogar muss?
Aber jetzt gerade, wo so viele Menschen um ihre Existenz bangen?
Ich bin kein Profi.
Wahrscheinlich sehe ich das Falsch. Aber es wäre für mich jetzt nicht der dringendste Punkt auf der Abarbeitungsliste.
„Guten Tag! – Wer immer Ihr auch seid?!"
