Lunaria-Galaxie
Blog Übersicht»Luftmatratze 18
Zurück

Luftmatratze 18

Fizzy Lemon
22. Juli 2021(bearbeitet)
1 Aufrufe
Noch nicht bewertet
Tim:

Ich hätte nicht gedacht, dass Alissa widerspruchslos die Nacht mit mir verbracht hätte, aber sie schmiegte sich an mich und wir genossen aneinander gekuschelt die Zeit, bis wir Beide einschliefen.


Frischer Kaffeeduft weckte mich. Alissa war schon aus dem Bett und machte in der Küche Frühstück. Kaffee zumindest. Ich stand etwas schwerfällig aus dem Bett auf und schlurfte durch den Flur. Ich registrierte im Halbschlaf, dass die Dusche lief, ging aber an der Badtür vorbei, direkt in die Küche, wo eine Kanne neben zwei Tassen bereitstand. Das Gebräu verströmte einen betörenden Duft, als es in die Tasse floss und mit ein paar Tropfen Milch und etwas Zucker zu einem morgendlichen Gedicht wurde. In meinem Kopf begleiteten die ersten Schlucke die Melodie „Morgenstimmung" von Edvard Grieg aus „Peer Gynt". Mit geschlossenen Augen saß ich da und träumte noch ein wenig weiter, während ich mir Schluck um Schluck den Kaffee munden ließ.

„Guten Morgen, Tim.", sagte Alissa und ich machte ruckartig die Augen auf.

Sie kam in einem weißen Frotteebademantel in die Küche und rubbelte sich noch mit einem Handtuch die Haare, bevor sie es zu einem Turban schlang und sich dann zu mir setzte.

„Guten Morgen, Alissa.", erwiderte ich und schaute den geschmeidigen Bewegungen dieser Frau zu, wie sie sich eine Tasse einschenkte, diese dann mit beiden Händen griff, sich an den Mund führte und erst einmal mit gespitzten Lippen darauf blies, bevor sie einen ersten Schluck davon nahm.

„Ich sollte Dir böse sein.", begann Alissa. „Du kommst einfach in meine Wohnung, legst Dich in mein Bett und das obwohl Du erst vor ein paar Stunden mit einer Anderen herum gemacht hast. Wieso lasse ich das zu? Kannst Du mir das sagen?"

„Warum willst Du böse auf mich sein? Doch nicht etwa wegen Martina?", antwortete ich.

„Doch. Wer ist sie? Warum küsst ihr euch? Tim, ich weiß so verdammt wenig von Dir...", sagte sie dann, wobei sie einen leichten Seufzer zum Ende ihres Satzes anbrachte.

„Martina ist eine alte Freundin von mir. Wir kennen uns seit Kindesbeinen an. Verbrachten die Qual der Schulzeit miteinander. Wir waren enger miteinander verbandelt als es Bruder und Schwester sind. Eigentlich war sie auch immer für mich da, nur trat dann eben Sabina, meine Ex-Frau, auf die Bühne meines Lebens und ich vernachlässigte die Freundschaft zu ihr. Naja, sie ging auch auf Abstand zu mir. Was ich jetzt erst erfahren habe. Sie, also Martina, war die letzten Jahre so gut wie aus meiner Welt verschwunden. Es war auch für mich eine Überraschung, dass sie nun plötzlich hier auftauchte und mich sogar küsste. Das habe ich Dir alles in dem Brief geschrieben, den Du ungeöffnet wieder unter meiner Tür durchschobst.", sagte ich.

„Ich wollte nichts lesen, nichts hören.... Du kannst ja machen, was Du willst. Bist ein freier Mann. Aber...", sagte Alissa und stockte.

„Aber?", insistierte ich.

Alissa blickte mich aus ihren blauen Augen an und sagte nichts weiter. Sie nahm einen Schluck Kaffee und schüttelte dann den Kopf, wodurch sich ihr Handtuchturban löste und ihr ins Gesicht fiel. Wir beide lachten daraufhin los, ganz spontan und eigentlich entgegen der Situation, in der wir uns momentan befanden.

„Was wirst Du heute noch machen? Hast Du was vor?", fragte sie mich dann aufgeräumter, nachdem sie sich das Handtuch über die Schultern legte.

„Ich werde noch in die Stadt gehen. Ein Supermarkt sucht neues Personal. Nichts besonderes. Nur ein Job, aber das bisschen Geld kann ich gut gebrauchen.", erwiderte ich.

„Deine Schulden sind hoch, stimmts?", fragte sie ohne Vorwurf in der Stimme.

„Leider ja. Aber aus der Scheiße, in die ich mich selber ritt, muss ich mich auch selber befreien.", seufzte ich.

„Tim, ich..."

„Ich muss gehen, Alissa. Danke für den Kaffee.", unterbrach ich sie, stand auf und ging in meine Wohnung.

Es war bestimmt nicht die eleganteste Art, sie an diesem Morgen abzuservieren, aber es war mir doch peinlich, über meine Dummheit zu reden. Ich wollte nicht wie ein dummer Junge vor Alissa dastehen, der aus purer Verblendung nicht erkannte, auf welchen Abgrund er zuraste. Und die Erkenntnis erst im Fall kam. Schnurstracks ging ich unter die Dusche und brauste mir den Schlaf der Nacht ab, wobei mir das kühle Wasser auch den Kopf klarmachte und ich mich selber verfluchte, was ich nun wieder für einen Bock geschossen hatte. Wie sah das denn aus? Ich lief einfach davon! Stieß sie einfach vor den Kopf. Vor meinem geistigen Auge sah ich das Bild von Alissa, wie sie in dem weißen Bademantel vor mir stand. Meine Fantasie blühte und ich stellte mir unwillkürlich vor, wie sie auf mich zukommt, dabei den Bademantel öffnet.... und, nein, ich wollte diese Gedanken jetzt nicht haben. Ich schüttelte sie ab und zwang mich an etwas anderes zu denken. Das Abrubbeln mit dem Handtuch tat gut, mehr als sonst und ich zog, nach einer ausgiebigen Rasur, schnell frische Klamotten an. Schnappte meine Schlüssel und mein Smartphone und verließ die Wohnung.


Der Flur war verwaist. Weder die olle Kozlowski noch Alissa waren zu sehen. Ich fragte mich, ob ich mich bei Alissa melden und mich verabschieden sollte, hob schon die Hand um an ihre Tür zu klopfen, doch ließ ich es und ging einfach. Der späte Morgen empfing mich mit einer ungewohnt frischen Luft. Nichts war mehr von dem schwülen Stick der letzten Wochen übrig. Wurde auch langsam Zeit, dass sich wenigstens die Wetterlage entspannt. Ich blinzelte in die Morgensonne und stieg dann die Treppenstufen hinunter.

„Tim?"

Ich drehte mich um. Da stand Alissa in der Tür.

„Verfolgst Du mich etwa?", fragte ich schnippisch.

„Wie kommst Du drauf? Aber ja, ich ging Dir nach, weil ich Dir was sagen wollte.", sagte Alissa und kam auf mich zu. „Tim, ich..."

Weiter kam sie nicht, denn plötzlich hielt wieder dieser schwarze Van mit quietschenden Reifen neben uns. Wo kam der nur immer so urplötzlich, wie aus dem Nichts her? Ehe wir uns besinnen konnten, ging die Schiebetür auf und zwei bullige Männer in schwarzen Anzügen stürmten auf mich zu. Fäuste prasselten auf mich ein und ich sank mit einem bleiernen Geschmack in meinem Mund zu Boden.

„Tim!", schrie Alissa und wollte schon die Polizei rufen, doch ihr Smartphone lag vergessen irgendwo in ihrer Wohnung rum. „Ihr Schweine!"

Ich blickte zu Alissa auf und spürte, wie mein Auge zuschwoll. „Alissa...", stammelte ich.

„Was machen wir mit ihr?", fragte der dickere der beiden Männer.

Achselzuckend sagte der blonde Mann, als ob es eine unbedeutende Nebensache wäre: „Brech ihr halt einen Finger."

„Okay.", sagte der Bullige und noch bevor Alissa überhaupt verstand was passierte, hatte er ihre linke Hand genommen und den kleinen Finger verdreht.

Sie hörte das Knacken des Knochens, doch ihr Geist war vernebelt.

„Hoffentlich ist Dir klar...", sagte der Blonde und trat mir mit Wucht in den Bauch, „...was Dir passiert, wenn Du nicht endlich zahlst!"

Wieder traf sein Fuss meinen Bauch und ich krümmte mich zusammen, wie ein waidwundes Tier. Hustete und spuckte Blut aus. Meine Sinne schwanden. Die Männer stiegen wieder in den Van und brausten davon. So schnell, wie sie gekommen waren, waren sie auch wieder verschwunden.

Alissa schaute verwundert auf ihre Hand, sah ihren kleinen Finger, der in einem unnatürlichen Winkel von ihr abstand und erst jetzt kam der Schmerz. Sie ließ einen erbitterten Schrei los, der mich aus meinem Delirium riss. Ein Schrei, der mir im Herzen weh tat, mehr als die Schläge der brutalen Männer. Wieso zogen sie Alissa, die mit der ganzen Sache nichts zu tun hatte, da mit rein? Wieso taten sie ihr weh? Sie sollen mich verprügeln, foltern, meinetwegen umbringen... ganz egal, aber sie sollen ihre Finger von Alissa lassen! Zitternd und mit letzter Kraft zog ich mein Smartphone aus der Tasche, das die Attacke wie durch ein Wunder völlig unbeschadet überstand und wählte den Notruf. Dann wurde mir schwarz vor Augen.


Die lachsfarbenen Wände des Krankenhauszimmers kamen mir bekannt vor. Sie waren das Erste, was ich sah, als ich wieder zu Bewusstsein kam. Der zweite Blick erkannte Alissa, die mit einem geschienten kleinen Finger neben mir am Krankenbett saß und mir sanft über die Stirn strich. Sie achtete darauf nicht auf eine meiner Schwellungen zu kommen. Vor allem mein linkes Auge hatte es schwer erwischt und muss wohl auf Tennisballgröße angeschwollen sein. Aber die Schmerzmittel waren gut. Ich spürte nichts von dem physischen Schmerz. Dafür umso mehr den psychischen, als ich die Verletzung von Alissa sah.

„Alissa, es tut mir leid...", stammelte ich und klang, als ob ich keine Kontrolle über meine Zunge hätte.

„Schscht.", machte Alissa und legte ganz sanft ihren rechten Zeigefinger auf meine Lippen und gemahnte mich zu Schweigen. „Später."

Dann stand sie auf und ich schlief ein.


„Na, dann wollen wir mal."

Ich schreckte hoch. Die sonore Stimme eines Polizisten, der vor meinem Bett stand, riss mich aus dem heilsamen Schlaf. Neben dem Bett saß in einem Stuhl Alissa, die in einer Zeitschrift blätterte. Fragend schaute ich von ihr zu dem Polizisten.

„Oh, entschuldigen Sie. POM Brinkmann. Nun sagen Sie mal, was da passiert ist. Dumm gefallen, oder?", begann der Polizist und sein Sarkasmus tropfte ihm förmlich von den Lippen.

„Ich...", stammelte ich.

„So, komm Junge, raus mit der Sprache. Man wird nicht aus Jux und Dollerei verprügelt. Das kennen wir zu gut. Also, was hast Du ausgefressen? Und bei wem?", redete POM Brinkmann weiter und ich kam mir dabei wie ein Schuljunge vor, der eine Standpauke beim Direktor bekommt.

„Tim, rede endlich oder soll sowas oder noch was Schlimmeres passieren?", sagte Alissa und hob ihre linke Hand.

„Okay.... okay....", begann ich, weil ich nun doch zur Vernunft kam und einsah, dass mir eigentlich auch nichts anderes übrig blieb. „Wie geht es Deinem Finger, Alissa?"

„Es wird wieder heilen. Ohne Beeinträchtigung. Sagt der Arzt. Nun rede aber endlich, verdammt nochmal!", sagte Alissa und ich hörte ihre Wut in der Stimme.

„... Ich habe Schulden, wie ihr wisst.", fing ich seufzend an, „Nicht nur ein paar. Und ich war dumm.... so dumm, dass ich Schulden aufnahm, um andere begleichen zu können."

„Ja, ein Leben auf Pump. Machen viele. Und nun?", sagte Brinkmann achselzuckend.

„Irgendwann bekam ich nichts mehr... von keiner Bank mehr... und anstatt dann endlich aufzuwachen, suchte ich auch in zwielichtigen Kreisen nach Hilfe.", gestand ich.

„Bei wem?", wollte Brinkmann wissen.

Niedergeschlagen und als ob ich die größte Sünde gestehen müsste, flüsterte ich: „Bei Karamasow."

„Ui.....", Brinkmann pfiff durch die Zähne.

„Wer? Wer ist das?", fragte Alissa.

„Boris Karamasow. Spielhallenbetreiber und Bordellbesitzer.", dozierte Brinkmann, „Die OK hat ihn schon lange auf dem Kieker, weil man schon lange denkt, dass er mit seinen Fingern jede Scheiße, die in der Stadt passiert, umrührt. Schutzgeld, Mädchenhandel, Drogen. Das volle Programm. Da hast Dir ja einen feinen Freund gesucht, Junge!"

„Was?!", rief Alissa aus.

„Ja.", war alles, was ich dazu sagen konnte.

„Wieviel schuldest Karamasow denn?", wollte Brinkmann wissen.

„Ihm schulde ich etwas mehr als 500.000 Euro. Insgesamt bräuchte ich aber über 1,2 Mio. um ganz aus meinem Loch zu klettern.", gab ich zerknirscht zu.

„Heilige Scheiße, wie blöd kann man sein?", sagte POM Brinkmann ganz unverhohlen.

Alissa sagte nichts mehr. Sie saß in dem Stuhl, das Magazin über ihren Beinen und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

...

Luftmatratze 17

Ich sitze im Auto ohne loszufahren, wohin soll ich schon fahren? Ich habe hier niemanden keine Freunde keine Familie. Also starte ich den Motor und fahre einfach in der Gegend rum ohne nachzudenken. Die Sonne scheint und brennt mir meine Tränen ins G
...

Luftmatratze 19

 Ich sitze hier in diesem Stuhl ohne was zu sagen, rechne in meinem Kopf aus wieviel ich auf den 3 verschiedenen Konten habe. Eigentlich mehr als seine gesamten Schulden aber zuerst müssen wir die bei dem komischen Karamasow loswerden, das ist d


Kommentare (3)

blossem
22. Juli 2021, 09:41
Alissa kenn nun die Summe ?
Hasal
22. Juli 2021, 11:22
Oh oh jetzt gehts aber brutal weiter , ja man sollte sich bei solchen Banden , lieber kein Geld borgen. Armer Tim .:(
Bin echt gespannt , wie es weiter geht. BITTE MEHR DAVON ;):)
Jenny
22. Juli 2021, 23:47
Man,Man das ist aber ein Haufen Kohle,ich bin ja mal neugierig wie Tim aus der Nummer wieder raus kommt.Ach und solche Momente wie dieser mit dem Bademantel, bitte zu Ende denken. :p
Einloggen um zu kommentieren.