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Luftmatratze 28

Fizzy Lemon
3. August 2021(bearbeitet)
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Tim:

Ich sah Alissa am Fenster stehen und sah ihren traurigen fragenden Blick, doch wusste nichts damit anzufangen. Sollte es etwa wegen mir sein? Alissa ging vom Fenster weg und ich schlurfte Richtung Eingang. Als ich an Alissas Tür stand, überlegte ich, ob ich nicht klopfen sollte, aber ich wollte ihr auch nicht in diesem Aufzug gegenüber treten. Die Klamotten hatte ich seit gestern früh ununterbrochen an und an ihr haftete der Geruch dieser Gummimatratze der Ausnüchterungszelle. Das wollte ich Alissa lieber ersparen und ging in meine Wohnung, wo ich als erstes aus den Klamotten schlüpfte und sie in den Wäschekorb stopfte. Danach wollte ich unter die Dusche, als es unerwartet an meiner Tür klopfte. Sollte das Alissa sein? Ich schnappte mir schnell eine frische Shorts, zog sie an und öffnete die Tür. Doch anstatt der blauen Augen von Alissa schauten mich Martinas Augen an. Mein Lächeln, das ich eigentlich für Alissa bestimmt hatte, blieb mir im Gesicht und meine Augen richteten sich auf die Flasche Wein, die Martina vor ihren Bauch hielt. Ganz wie früher! Erstmal einen sacken lassen. So kannte ich sie. Sie kehrte wohl um, nachdem sie irgendwo auf die Schnelle diesen Wein kaufte und wollte mich aufheitern. Lachend umarmte ich Martina und zu meiner völligen Überraschung küsste sie mich. Ich hob sie hoch und trug sie spielerisch in die Wohnung, unterband dann die Knutscherei sobald wir durch die Tür durch waren. Mit einem Kopfschütteln gab ich ihr zu verstehen, dass ich das nicht wollte und Martina hielt sich auch daran. Ich zuckte schmerzhaft zusammen, als ich sie im Wohnzimmer absetzen wollte. Wie ein Blitz durchfuhr meine Schulter ein immenser Schmerz, den ich wohl noch immer von dem Autounfall hatte und die Gummimatratze machte das nicht gerade besser. Martina befahl mir regelrecht, dass ich mich bäuchlings auf das Sofa legen sollte und ich gehorchte ihr wie ein kleiner Junge.

„Wusstest Du, dass ich mal als Physiotherapeutin arbeitete? Kurz nachdem Sabina in Dein Leben kam, ging ich zu einer Ausbildung. Jetzt zeig mal, wo Dein Wehwechen ist.", sagte sie und begann meine Schulter fachmännisch zu bearbeiten.

„Ohhhhhh....", seufzte ich, als sich das wohltuende Gefühl einstellte und meine Verspannung sich löste. „Ohhhhh, Martina....", stöhnte ich gespielt.

Martina kannte meinen Humor und fiel in den Spaß mit ein. Sie stöhnte ebenfalls wollüstig meinen Namen: „Tiiiiim, oh jaaaaaa, Tiiiiiim, jaaaaa...."

Wir kicherten beide und Martinas Massage zeigte rasch eine positive Wirkung. Meiner Schulter ging es wesentlich besser. Ich drehte mich um und setzte mich auf, forderte Martina auf, sich hinzusetzen, stand auf und holte aus der Küche einen Korkenzieher, sowie zwei Gläser. Nur normale ausgepülte Senfgläser, aber immer noch besser als die ollen Plastikbecher unserer Jugend. Die Flasche wurde flugs entkorkt, ich schenkte Martina und mir ein Glas ein und reichte ihr ihres. Den Rest des Abends verbrachten wir plaudern beim Weintrinken.

Natürlich schlief Martina auf dem Sofa, denn nach einer halben Flasche Wein hätte ich sie nie und nimmer hinters Steuer gelassen. Auch wenn sie immer schnell dabei war einen zu heben, gehörte sie nicht zu den Personen, die viel vertrugen und schnell einen sitzen hatten. Am nächsten Morgen duschte Martina schnell, kochte danach Kaffee, solange ihre Haare trockneten und hinterließ mir auf dem Küchentisch eine Notiz, dass sie es eilig hatte und schon weg musste. Der Kaffee war noch warm und ich genoß ihn nach dieser endlich erholsamen Nacht, die ich nach dem Aufenthalt in der Zelle bitternötig hatte.

In den nächsten Tagen sah ich von Alissa nichts. Zwar versuchte ich mein Glück und klopfte einmal an ihrer Tür, rief auch ihren Namen, doch sie war allem Anschein nach nicht zuhause. Auf meine Anrufe reagierte sie auch nicht und ich machte mir langsam Sorgen um sie, auch wenn ich nach all den Enthüllungen um sie mir wohl kaum Sorgen um sie machen müsste. Sie wurde mit bösen Buben fertig, das stand außer Frage. Ob sie aber mit dem Leben fertig wird? Neben der toughen Seite Alissas gab es auch die emotionale Seite, die sie beinahe aus der Bahn geworfen hatte, als sie hochschwanger ihr Kind verlor.

Gute zwei Wochen vergingen ohne, dass ich von Alissa ein Sterbenswörtchen zu hören bekam. Martina war ab und zu bei mir zu Besuch und erzählte mir davon, dass sie nun endlich wieder eine neue Arbeit hatte und sie sich dadurch besser stellen könnte, als zuvor. Und sie durfte endlich wieder als Physiotherapeutin arbeiten. Ihren bisherigen Job in einem Supermarkt mochte sie ohnehin nicht besonders und machte ihn nur, weil er besser bezahlt war, als andere Alternativen. Nun ging es für sie sichtlich bergauf, was Martina einen besonderen Glanz ins Gesicht zauberte. Man sah ihr an, dass sie glücklich war. Zum Abschied umarmte ich Martina noch einmal innig um mich auch auf diesem Wege für den Rückhalt der letzten Tage zu bedanken. Da sah ich Alissa aus ihrer Wohnung treten. Ihre Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und in engen Leggings, die ihre Beine unglaublich sexy machte. Von ihrem knackigen Hintern ganz zu schweigen. Bevor ich etwas sagen konnte, steckte sich Alissa ihre Stöpsel in die Ohren und lief davon. Ohne sich zu uns umzudrehen.

Gute zwei Stunden später ging ich Richtung Eingang, wo die Briefkästen des Wohnblocks sind um nach meiner Post zu schauen. Natürlich war wieder nur Werbung und Rechnungen in dem verdammten Brifkasten und ich blättere die einzelnen Kuverts durch, als mich plötzlich jemand anrempelte. Ich drehte mich um und schaute in das verschwitzte Gesicht von Alissa.

„Hey hallo Tim.", sagte sie ziemlich zerknirscht und schickte sich an, sich an mir vorbeizuzwängen.

Doch das ließ ich nicht zu, stellte mich ihr breitbeinig in den Weg und fragte sie: „Alissa, können wir reden?"

Der bittende Unterton in meiner Stimme war gewollt, damit sie merkte, wie mich die Situation belastete. Doch sie lachte nur spöttisch auf.

„Über was? Über was möchtest du mit mir reden? Willst du mir sagen das du nun eine Beziehung mit Martina hast? Spar dir die Worte. Ich hätte es besser wissen müssen, und dich nicht in mein leben lassen sollen. Ich wünsche dir nur das beste aber bitte lass mich in Ruhe. Ich will dich nicht mehr sehen, nicht mehr hören geschweige den was von dir hören.", rief sie mir wütend entgegen und versuchte mich zur Seite zu schubsen.

Ich blieb stehen und gab erst ihrem zweiten Versuch nach, drehte mich zur Seite und gab ihr den Weg frei. Mit Tränen in den Augen rannte sie förmlich den Flur entlang zu ihrer Wohnung, öffnete die Tür und warf sie mit Schmackes hinter sich zu.

Langsam schlurfte ich den Flur entlang und blieb vor Alissas Wohnung stehen. Lange unentschlossen, ob ich klingeln oder klopfen sollte, doch war mir unsicher, wie sie nun reagieren würde. Würde sie denken, sie sei mir egal, wenn ich nun nichts machen würde? Oder würde es ihre Wut nur noch mehr befeuern, wenn ich sie jetzt störe? Wäre das aufdringlich von mir? Sie wollte wohl ihre Ruhe haben oder doch nicht?

Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich in der nächsten Buchhandlung eine Bedienungsanleitung für Frauen kaufen. Vielleicht würde ich diese Wesen, die so himmlisch und teuflisch zugleich sein können, dann endlich verstehen?

Ich gab den Versuch zu Alissa durchzudringen auf und ging wortlos in meine Wohnung.

Später kam Martina wieder zu mir und wir saßen vergnügt auf dem Sofa. Ihre lockere scherzende Art tat mir in dem Moment außerordentlich gut. Es war einfach eine zwanglose Begebenheit, bei der man nicht wirklich etwas falsch machen und auch keinerlei Gefühle verletzen konnte. Wir tratschten über diverse Erinnerungen aus unserer jugendlichen Sturm- und Drangzeit und ich erzählte von manchen Marotten Sabinas, die ich im Nachhinein als urkomisch und saudoof befand. Nur damals nicht. Da war ich von Liebe geblendet und alles an Sabina war schlicht göttlich. Was hatte mich nur an dieser Frau damals so gepackt, dass ich mich Hals über Kopf unsterblich in sie verliebte? Martina hatte das schnell erkannt und ich stieß sie damals vor den Kopf, weil ich dachte, sie würde mir mein Glück neiden. Als ob meine beste Freundin mir etwas neiden würde! Nein, sie wollte mich vor einer riesigen Dummheit bewahren in die ich Depp mit Anlauf sprang.

Was Martina für eine Freundin ist, bewies sie mir dadurch, dass ich ihr im Vertrauen alles erzählen konnte und sie nicht nur mit guten Ratschlägen aufwartete, sondern mich auch tatkräftig unterstützte.Der Abend war fortgeschritten und Martina musste wieder nach Hause. Ich bedankte mich für ihre Hilfe und verabschiedete sie, sah ihr nach, bis sie aus meinem Blickfeld verschwunden war und blickte dann zur Tür von Alissa. Sie war wieder zu Hause. Das sah ich am Licht aus ihrer Wohnung. Entschlossen, die Dinge mit ihr gerade zu bügeln, ging ich ins Wohnzimmer, schnappte den Strauß Blumen, den Martina extra für mich bezahlte, weil ich ihn mir niemals hätte leisten können und der mangels Vase in einem Plastikeimer auf dem Wohnzimmerboden stand, trat damit vor Alissa Wohnungstür und klingelte. Nach ein paar Minuten klopfte ich. Dann klingelte ich wieder. Und rief: „Komm schon Alissa. Lass uns reden!"

Wie auf Kommando schob sich der schwammige Kopf der Kozloswki aus der Tür, die genauestens sehen musste, was nun passierte und zog sich doch lieber zurück, als sie meinen bösen Blick auf sie sah.

Dann öffnete sich doch die Tür Alissas und sie stand von goldenem Licht wie ein Engel umkränzt da und schaute verwundert auf den Strauß in meinen Händen. Sie schüttelte dann zwar mit dem Kopf, doch trat ich einfach in ihre Wohnung ein, schob sie dabei vor mir her und forderte sie auf, sich auf das Sofa zu setzen. Mit den Blumen in der Hand stand ich da und Alissa ließ mit einem Seufzen die Schultern sinken.

„Was willst Du, Tim?", fragte sie zerknirscht und schaute zu Boden.

„Alissa... lass mich Dir erklären....", fing ich an.

„Es gibt nichts zu erklären. Du sagst, Du liebst mich und fickst mit einer Anderen! Was willst Du da erklären?!", schrie sie mich wütend an.

„Dass ich sie eben nicht ficke!", schrie ich zurück und bemerkte, wie ihre blauen Augen verwundert aufgingen.

Sie sog die Luft ein, doch sagte nichts weiter und ich fing an ihr zu erklären, wie Martina und ich zueinander stehen. Alissa öffnete ihren Geist und ließ diese Worte auf sie wirken. Auch auf Nachfragen von ihr gab ich bereitwillig Auskunft und klärte sogar die Stöhnerei im Wohnzimmer auf.

„Lass Dich nicht von Missverständnissen in die Irre führen, Alissa. Verstehe das nicht falsch. Ich hege eine gewisse Zuneigung zu Martina. Eine, die in all den Jahren, die wir uns kennen aus einer blutdicken Freundschaft erwuchs. Aber das ist keine Liebe, so wie das, was ich für Dich empfinde.", sagte ich weiterhin.

Dann kam ich ganz nah an Alissas Gesicht und wagte es sie zart zu küssen. Und sie erwiderte den Kuss, der sich dann intensivierte und ihre Arme umschlangen meinen Hals und zogen mich an sie heran.

...

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Kommentare (4)

Hasal
03. Aug. 2021, 17:08
Na endlich ist es wieder zur Versöhnung gekommen. Die Beiden machen sich doch nur selbst das Leben so schwer.:D
blossem
03. Aug. 2021, 18:53
Hahahahaha gut gerettet meine liebe Zitrone
Jenny
04. Aug. 2021, 12:51
:D Da hat die Zitrone nochmal ihren gelben Hintern vor der Saftpresse gerettet. :D
Fizzy Lemon
04. Aug. 2021, 14:25
Welche Zitrone denn? Das ist Tims Popo! :D
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