Eineinhalb Stunden vor Beginn des Abiballs fand ich mich vor der Feierstätte ein. – Natürlich mit der Bestätigung in der Fototasche das ich Coronavirus-Frei war; und hoffentlich noch bin.
Die ich auch vorlegen musste. Streng von eifrigen Gesundheitswächtern in einem Zelt vor der Location des Abiballes kontrolliert.
In Empfang wurde ich nicht von meiner Ansprechpartnerin des Ballkomitees genommen. Sondern von der Hauptorganisatorin der Abschlussklasse. Eine nette junge Frau im leuchtenden grünen Rückenfreien Kleid, die mich kurz einwies und mir mitteilte bitte, bitte, „Partybilder" zu machen.
Ich würde mit einem Fotounternehmen konkurrieren.
Die mit einem Foto-Kran, mehr technischen Schnickschnack und einer tollen Fotoecke ausgestattet seien. Außerdem würden die Herrschaften der Fotofirma Bilder gleich ausdrucken und in Pausen und nach des Abilballs sofort zum Verkauf anbieten.
Gerne würde ich jetzt berichten, ich hätte mich Heldenhaft gegen das Fotounternehmen behauptet und hätte diese Firma in Grund und Boden fotografiert.
Jedoch war das gar nicht nötig. Da das allesamt nette Burschen waren – weibliche angestellt gab es offenbar nicht? - und wir uns nicht in die Quere kamen während des Abiballs.
Der Eingangsbereich war wie der Einlass zur Oscarverleihung gestaltet. Mit rotem Teppich und kleinen Seilbarrieren rechts und links.
Der Raum im Inneren des Event-Cents war vornehm ausgestattet.
Gläserne Stühle, bezogen mit einem feinen blassrosa Sitzkissen. Viele kleine Tischchen vornehm gedeckt füllten den gesamten Raum fast bis vor die aus Edelholz gestalte Bühne aus. Nur ein langer Gang vom Eingangsbereich – neben dem sich auch eine spektakuläre Bar befand – bis zur Bühne blieb für den Gang der Abiturienten frei.
Ich schaute kurz den Organisatoren und hektischen Treiben im Vorfeld zur Veranstaltung zu. Stellte mich hier und dar vor.
Die Besitzerin der Feierstätte wirkte enorm gehetzt. Sie lief sie schimpfend umher mit dem Ausruf: „Das war so nicht ausgemacht! Wenn das so weitergeht, gebe ich euch euer Geld zurück und blase die Veranstaltung ab. Dann findet hier nichts statt".
Was das Mädel das mich in Empfang genommen hatte, stark mitnahm und sie war sichtbar nahe den Tränen, blieb aber stark. - … und schließlich beruhigte sich die Besitzerin – die warum auch immer wie ein Vulkan ausgebrochen war? – wieder.
Was mir richtig guttat. Das ich dort auf bekannte Gesichter aus meinem Heimatdorf traf. Menschen, die ihre Zöglinge zu Abi Sause, die aufgrund Corona mit fünf Monaten Verspätung stattfand, begleiteten.
Ungefähr eine Stunde blieb mir um Familien und Freundschaftsfotos vor dem Abiball zu schießen. Was ein tolles unterfangen war. Nimmt man den etwas älteren Herren aus, der mit seiner kleinen Kamera alles fotografierte was nicht Niet- und Nagelfest war – selbst aber ein Foto zusammen mit seiner Familie konsequent verweigerte.
Für den Glamourfaktor auf den Bildern muss ich auch nicht sorgen.
Da mit wenigen Ausnahmen alle festlich gekleidet waren. Die Damen in tollen Kleidern oder Röcken von ganz lang bis ganz lang. Die Männer in bevorzugt dunkelblauen Anzügen, farbigen Hemden und Sakkos.
Nachdem alle Eltern, nun ehemaligen Lehrern und schließlich auch die Abiturienten Platz genommen hatte. Moderierte das Mädel vom Ballkomitee mit einem weiteren männlichen Organisator den Großteil der Veranstaltung sehr gekonnt und pfiffig.
Während ich mich von Tisch zu Tisch oder von der einen auf die andere Hallenseite schlich, um bessere Fotoaufnahmen zu machen. Vor allem aber um später nicht nur mit gestellten Bildchen bei meinen Auftraggebern punkten zu können.
Es gab eine tolle Elternrede. Die gekonnt nochmals die einzelnen Schulstationen und Besonderheiten des Schullebens herausstellte. Dass es zuerst eine Schultüte gab und nun die Schultüte praktisch der geformte Geist wäre, der mit Wissen und Verstand gefüllt worden sei.
Einen mitreißenden Singbeitrag eines Abiturienten mit Gitarre.
Es gab einig Videopakete wo Oma, Opa, Eltern, Freunde, „Weihnachtsmann & Osterhase" die Abiturienten grüßten.
Zwischendurch gab eines eine ca. einstündige Pause zum Essen und Trinken. – Wo so mancher seine Fotos verkaufte und andere weitere fleißig Bilder von der Abschlussklasse und ihren Familien schossen. ?
Was mich richtig rührte. Als eine Frau – vielleicht eine Lehrerin oder Mutter? - auf mich zukam und meinte: „Sie wirken so echt, nett und unverstellt bei dem was sie tun, ich schau ihnen gerne zu." – Das ging runter wie Öl! Ich fühlte minutenlang unglaublich Bauchgepinselt.
Danach ging es weiter mit den Programmpunkten.
Mit einem Bildervortrag mit Musik untermalt von ernsthaften Schulunternehmungen und lustigen Momenten.
Was mir gut gefiel, immer wie gab das Mikrofon dumpfe und schrille Geräusche von sich, was durchaus für Lacher sorgte, nur während der Beiträge funktionierte alles von Mikro bis zur Musik einwandfrei.
Es gab ein Schüler vs. Lehrerquiz auf der Bühne. Als auch ein Pantomime Raten.
Es folgte ein neckisches Trinkspielchen. Bei dem Dinge gefragt wurden wie: „Wer hat je seine Hausaufgaben im Ranzen gesucht, obwohl er oder sie genau wussten das da keine sind?" – Alle die das bejahen konnten, sollten aufstehen und trinken.
Danach gab es eine Rede von einem der Abiturienten der Abschlussklasse. Die mich fesselte.
Da ich dem Redner jedes Wort abnahm über die Schulzeit und die spannende Zukunft die vor den Abiturienten nun liegt.
Außerdem schloss er mit Worten, die auch ich hin und wieder in abgewandelter Form gerne verwende: „Mich in euren Dienst zu stellen war mir immer eine Ehre".Wofür er heftig und vor allem zurecht von der gesamten Anwesenden in der Halle laut bejubelt und beklatscht wurde.
Danach folgte ein überzeugendes wie lustiges Männerballett. Alles männliche Abiturienten, die zehn Minuten über Tische, Stühle und die Bühne tanzten und dabei auch die Hüllen – natürlich nicht ganz – aber bis auf die Leopardenunterhosen fallen ließen. Was durchaus den ein oder anderen vornehmend weiblichen Kreisch-Alarm verursachten.
Im Anschluss verabschiedeten sich viele Familienangehörige.
Denn nun folgte die sogenannte Aftershow.
Ein DJ war engagiert worden. Es wurde ordentlich getanzt, gebechert und miteinander gefeiert und natürlich auch jede Menge Fotos gemacht.
Eineinhalb weitere Stunden stand ich den Abiturienten & Co. zur Verfügung.
Bevor ich den Blitz vom Blitzschuh nahm und diesen vor dem Gerät und dann alles samt Kamera im Fotorucksack ordentlich verstaute.
Eine tolle Veranstaltung. Ein noch tollerer Auftrag.
Mit Menschen die Lust und Laune hatten fotografiert zu werden.Rundum großartig.
Durch die Nacht zu fahren, Radio zu hören, dabei noch Songs, die man mag, das hat was ganz Eigenes. Außerdem gibt es – zumindest geht es mir so – Songs, die funktionieren nur aus dem Radio.
Zu Hause fühlte ich die Müdigkeit und meine ermattenden Arme.
Dennoch musste ich in mich hineinlächeln, war es doch ein wenig so, wie ich hätte nun nach der unfreiwilligen Corona-Auszeit, trotz kleinerer Aufträge, s selbst in dieser Zeit mit diesem Abiball mein Fotografen-Abitur abgelegt! … und auch (mit Bestnote) bestanden! ?
Ich überspielte noch die Bilder auf die Festplatten, nicht das sich die Bilder warum auch immer in Luft auflösen; alles schon erlebt; sortierte noch ausführlich aus. Wobei es zu meiner Freude kaum Ausschussmaterial gab.
Schleifte meinen müden Körper unter die Dusche und vor dort, nachdem ich einen Podcast aufgelegt hatte, mich in mein Bett.
„Guten Morgen! – Wer immer Ihr auch seid?!"
