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Luftmatratze 38

Fizzy Lemon
12. September 2021(bearbeitet)
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Tim:

Ich blickte durch eine Glasscheibe in den Verhörraum im Polizeirevier, wo sie zwei der Männer mit Handschellen an den im Boden verschraubten Tisch banden und verhören wollten. Fleischhauer, der seinen Arm immer noch in einer Schlinge tragen musste, sah in ein paar Akten nach ohne jegliche Regung. Alissa, die neben ihm im Verhörraum sitzen durfte, kochte innerlich vor Wut und das ließ sie die Männer ihr gegenüber spüren. Noch nie sah ich solch einen Hass in Alissas Augen. Eigentlich hielt ich sie für eine abgeklärte und in sich ruhende Person. Aber je besser ich sie kennenlernte, erkannte ich, dass sie durchaus von ihren Emotionen gelenkt werden konnte. So rational sie auch dachte und so methodisch sie vorging, am Ende war sie von ihren Gefühlen getrieben. Und in diesem Moment schoss der blanke Hass auf Boris Karamasow und seine Schergen aus ihren Augen. In diesen Momenten zweifelte ich mein Vertrauen in Alissa an. Auch weil ich in den letzten Tagen das Gefühl hatte, ihr nicht hundertprozentig glauben zu können. Ihr Schlag in mein Gesicht, dass sie mich nicht lieben würde, sondern nur gebrauchte um an Karamasow zu kommen, saß tief und schmerzte mich. Deckung hin oder her, sie hätte mir in unserem Safe House ruhig sagen können, dass sie Fleischhauer kennt und ich irgendwie nur eine Marionette in einem Spiel zu sein scheine. Dann aber spüre ich das Ziehen in meinem Herzen, wenn ich diese Frau dort sitzen sehe und mir vorstelle, dass ich sie nicht mehr wiedersehen würde. Dass sie einfach aus meinem Leben verschwindet, sobald die Akte geschlossen wird. Es zerriss mich, keine Gewissheit zu haben, aber ich scheute mich auch, sie danach zu fragen. Sie mit meiner Wut und meiner Angst zu konfrontieren. Vielleicht scheue ich mich auch davor, dadurch erst recht die Gewissheit zu bekommen, vor der ich Angst habe? Wie damals, als ich mir nicht eingestehen wollte, dass ich längst pleite war und aus dem Schuldensumpf selbst nie mehr herauskommen würde. Kaufte sie mich deshalb frei? Als Lohn dafür Lockvogel zu sein? Wenn dem so wäre, dann wäre Alissa eine begnadete Schauspielerin, die über alle Grenzen geht. Es war viel zu echt, zu glaubwürdig, wie sie mich ansah, wie sie mich küsste, wie sie eine Gänsehaut bekam, wenn wir Sex hatten... alles schien unverfälscht und echt zu sein. Dennoch lehne ich mich mit dem Po gegen eine Tischkante im Nebenzimmer eines Polizeiverhörraums, nachdem die Männer, die dort sitzen uns ans Leder wollten und frage mich, ob Alissas Liebe echt war?!

„Na, dann wollen wir mal anfangen.", drang Fleischhauers Stimme über den Lautsprecher an mein Ohr.

Er blickte von den Akten auf, stützte sich auf die Ellbogen und sah von einem zum anderen.

„Ich brauche Euch ja wohl nicht fragen, wer Euch den Auftrag gab? Das wissen wir auch so. Was mich viel mehr interessiert ist, woher ihr wusstet, wo wir waren? Wer hat euch den Tipp gegeben?", fragte Fleischhauer routiniert.

Alissas Blicke alleine hätten töten können und ich sah wie sie vor Erregung zitterte. Am liebsten wäre sie aufgesprungen und hätte den Kerlen die Augen ausgekratzt, aber sie hielt sich bemerkenswert ruhig.

„Na? Heute keine Sprechstunde?", fragte Fleischhauer die Verdächtigen. „Wir haben Zeit. Und den Pizzalieferant bezahlt der Staat. Also, wenn ihr wollt.... wir können gerne warten."

Die Männer schwiegen eisern.

Da haute Alissa plötzlich mit den Händen auf den Tisch. „Jetzt reichts mir aber! Macht endlich das Maul auf! Wer hat es Euch gesteckt, wo wir waren? Ist es einer von hier? Oder hieß die Schlampe Martina?!"

Ich fiel schier vom Tisch! Was sagte Alissa da? Wieso denn nun Martina? Als ob sie etwas mit diesen Unterweltsfuzzies zu tun hätte. Und selbst wenn sie auch nur ein Fünkchen Verbindung hätte, würde sie mich nie verraten. War Alissa etwa so dermaßen eifersüchtig auf Martina, dass sie sich wieder einmal von ihren Gefühlen in die Irre führen ließ? Ich wollte schon in den Raum rüber laufen und sie fragen, was sie sich dabei dachte, aber man schloss - angeblich zu meiner Sicherheit - die Tür ab. So war ich gefangen und mir blieb nichts weiter übrig, als dem Treiben jenseits der Scheibe weiter zuzusehen.

Fleischhauer griff mit seinem intakten Arm nach Alissa und zog sie nach unten. Gab ihr so den Befehl, sich wieder zu setzen. Sie gehorchte ihm, wenn auch sichtlich widerwillig. Das grelle Licht der Lampen in diesem senfgelben Raum hatte etwas giftiges an sich, was alles andere als zu einer angenehmen Atmosphäre führte. Das war wahrscheinlich auch so gewollt um die Verhörten aus der Reserve zu locken. Doch funktionierte es bei den Beiden wohl nicht so gut. Sie schienen zu abgeklärt zu sein. Erst jetzt begann ich, mir die Beiden genauer zu betrachten. Der Linke hatte dunkle, ganz kurz geschorene Haare und eine fliehende Stirn über schwulstigen Brauenknochen. Seine derben Lippen umspielte ein dunkler Hakenbart und seine braunen Augen blickten desinteressiert in den Raum. Seine muskulöse Figur war Zeugnis seiner Fitness und er war mit Sicherheit in manch Trainingsraum der Strafanstalten Stammgast.

Der Rechte hatte einen kurzen braunen Irokesenschnitt. Sein ganzer Körper war mit Tätowierungen übersäht, was man an der Haut sah, die außerhalb seines knappen Muskelshirts zu Tage trat. Er war insgesamt nicht so derb, wie sein Gegenüber, aber dennoch muskulös und gerade die eher feinen Züge seines Gesichtes machten mir mehr Angst. Denn sie hatten etwas Vertrauenserweckendes in sich. Ein Vertrauen, das schnell ins Verderben führen kann. Diese Männer soll Martina kennen? Nie!

„Okay, ich merke...", seufzte Fleischhauer, „...die Herren haben heute wohl nichts besseres vor, als eine Nacht in der Zelle zu verbringen."

Mit diesen Worten schlug Fleischhauer die Akte zu. Aber noch mehr.... zwinkerte er etwa Alissa zu? Sie nickte unmerklich und Fleischhauer stand auf. Er sah noch einmal von einem zum anderen und verließ dann den Verhörraum. Kaum fiel die Tür ins Schloss, stand Alissa auf und gab den Beiden eine schallende Ohrfeige. Ansatzlos. Der Irokese wollte aufstehen und auf Alissa losgehen, doch die Fessel hielt ihn fest.

„Bitch, Du Elendige. Verrecken sollst Du!", spie er Alissa entgegen.

„Redet.... und ihr erlebt nicht den Albtraum auf Erden.", sagte Alissa ganz ruhig und machte mir gerade durch diese Gelassenheit richtig Angst.

Wütend lief Alissa im Raum auf und ab, schaute die Zwei, die wie Felsen in der Brandung dasaßen, an und schnaubte. „Wird's bald?", schrie sie mit sich beinahe überschlagender Stimme.

Jedoch schwiegen die Beiden eisern. Irgendwie bewundernswert auf seine Weise. Natürlich wäre es auch mir lieber gewesen, wenn sie endlich den Mund aufgemacht hätten und am Schluss Martina entlastet worden wäre. Aber kein Laut kam über deren Lippen.

Die Tür, die mich in dem Nebenzimmer gefangen hielt, wurde aufgeschlossen und eine pummelige Beamtin mit feuerroten Locken winkte mich heraus. Ich folgte der kleinen Frau, deren Gesicht mit Sommersprossen übersät war und kam in das Büro, das man Fleischhauer zuwies.

„Ah, Tim...", begrüßte mich Fleischhauer und bot mir mit einer Geste an, Platz zu nehmen, „...das wird wohl dauern. Die Kerle sagen nichts. War aber zu erwarten. Die kennen den Knast in- und auswendig. Und als Karamasows Lakaien haben die auch keinen schlechtes Leben hinter Gittern. Lassen Sie uns ein bisschen plaudern."

„Plaudern? Bei Tee und Gebäck oder was?", scherzte ich, merkte aber schnell, dass das sein Ernst war.

Im folgenden Gespräch erklärte mir der Agent detailliert, wie es nun weitergehen wird. Welche Maßnahmen man für Alissas und meinen Schutz bereit hielt und wie wir uns zu verhalten hätten. In dieses Gespräch hörte man immer wieder Alissas wütende Schreie aus dem Verhörraum schallen.

So ging das eine Weile und nachdem das Gespräch mit Fleischhauer beendet war, spürte ich das Knurren meines Magens. Ich hatte einen Bärenhunger und mein Kopf war nur von dem Gedanken, etwas zu essen, beherrscht. Die Ansage mit dem Pizzaboten war nicht gelogen. Nicht nur ich hatte Kohldampf, sondern viele der Beamten um mich herum. Freundlich bot man mir an meine Bestellung entgegen zu nehmen und nicht einmal 30 Minuten später hielt ich eine Pappschachtel mit einer wunderbar warmen Pizza Hawaii in meinen Händen.

Die letzten Tage war Essen nicht mit Genuss verbunden. Es war mehr der Hunger, der etwas in einen hineintrieb nur damit man satt wurde. Nahrungsaufnahme eben. Nichts weiter. Doch jetzt, als ich mich in Sicherheit fühlte, war in meinem Kopf wieder Raum für solche Empfindungen. Und was soll ich sagen? Diese Pizza war wie Manna: Einfach göttlich. Nie hatte ich einen so intensiven Geschmack auf meiner Zunge, wie in diesem Augenlick, als ich das dreieckige Stück aus der Schachtel nahm, die Käsestreifen irgendwie mit den Fingern versuchte zu bändigen und herzhaft hineinbiss.

Während ich aß, sah ich einen Paketboten auf dem Flur wild gestikulieren. Er hatte ein großes würfelförmiges Paket bei sich. Schätzungsweise 50 Zentimeter Kantenmass. Irgendwie versuchten die Beamten ihn abzuwimmeln, das Paket abzulehnen. Aber der Bote ließ sich nicht beirren und seine Beharrlichkeit zeigte Früchte. Irgendwann erbarmte sich einer und unterzeichnete den Empfang des Pakets, das er dann ins Büro von Fleischhauer brachte.

„Alissa!", schrie Fleischhauer mit lauter Stimme und die Tür zum Verhörraum flog auf.

Alissa kam mit zornrotem Kopf herausgestürmt und lief in Fleischhauers Büro.

„Ach, Du Scheiße!", schrie nun auch Alissa.

Mir rutschte das Herz sonstwo hin und ich sprang auf. Meine Pizzaschachtel fiel zu Boden und ich touchierte im Vorbeistürmen noch einen Beamten, der sichtlich Mühe hatte das Gleichgewicht zu behalten. Ich eilte in Fleischhauers Büro und wurde von einem kräftigen Beamten gepackt.

„Nicht reinkommen!", rief Fleischhauer mir entgegen, doch ich wand mich aus dem Klammergiff des Beamten und stürmte direkt zum Schreibtisch, auf dem das Paket geöffnet stand.

Ich sah unvermittelt in diesen Karton und mir wurde schummrig. Alle Farbe wich aus meinem Gesicht. Meine Beine gaben unter mir nach und mir wurde speiübel. Ich klappte zusammen und übergab mich würgend in den Papierkorb. Wie dankbar wäre ich in diesem Moment über eine gnädige Ohnmacht gewesen, nur um nicht den Schrecken dieses Anblicks weiter ertragen zu müssen, denn in dem Karton befand sich der abgeschnittene Kopf von Martina!

Ich heulte und schrie wie ein trutziges Kind, wälzte mich auf dem Boden und wäre am gernsten gestorben. Alles was ich noch mitbekam, war, wie ein Sanitäter oder ein Arzt mir eine Spritze gab, die mich schlafen ließ. Ich wachte zwar Stunden später wieder auf, jedoch in einem katatonischen Zustand, der mein Inneres von den schlechten äußeren Einflüssen abschottete. Nur gedämpft nahm ich war, wie mir Alissa, die an meinem Krankenbett in dieser forensischen Psychiatrie, in die man mich vorerst brachte, saß, erklärte, dass bei Martinas Kopf eine Grußkarte dabei lag, auf der stand: „Ich kriege alles, was ich will. Liebe Grüße, Boris." 

...

Luftmatratze 37

Ich wollte weg von ihm aber nein dieser Fleischhauer musste mich ja erwischen, und seinen Job zu ernst nehmen. Also blieb mir nichts anderes übrig als zu tun was er mir sagt. Zurück in der Hütte wollte ich Tim nicht sehen nicht hören geschweige den i
...

Luftmatratze 39

 Ich wollte Tim helfen aber konnte nicht, er war so verletzt aber das musste sein. Er musste wissen das er momentan keinem vertrauen kann, es zerbricht mir das Herz. Aber ich muss stark bleiben, also gebe ich Fleischhauer mit dem Kopf ein Zeiche


Kommentare (6)

blossem
12. Sept. 2021, 15:32
Hahahahah und Martina ist wieder aus dem schneider
Fizzy Lemon
12. Sept. 2021, 17:20
Und wie! Leider nun auch als unschuldiges Opfer raus aus der Geschichte.
Hasal
12. Sept. 2021, 18:43
Wow wieder sehr spannend gemacht , also doch Martina die Übertäterin:(. Bin echt gespannt, was Blossem jetzt so schreibt. Die Geschichte ist echt ganz prima , von Euch Beiden geschrieben. Danke :)
Fizzy Lemon
13. Sept. 2021, 08:20
Woher nimmst Du die Erkenntnis, dass Martina der Maulwurf sei?
Hasal
13. Sept. 2021, 08:44
Ich dachte es mir , sorry wenn ich falsch liege. Aber wenn ich richtig überlege, bezweckt der Boris, vielleicht was ganz bestimmtes damit, was er mit Martina tat. Ich werde jetzt abwarten , wie die Geschichte weiter geht
:(
Jenny
14. Sept. 2021, 08:05
Ach du heilige Scheiße, die arme Martina, sie war mir immer so sympathisch :D. Jetzt gehts aber hier Richtig zur Sache. :o
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