Ich bin in ein neues Lebensjahr aufgebrochen.
Erstmal ein Dankeschön
an alle, die einen positiven Gedanken an mich verschwendet haben, und an die
lieben Glückwünsche, über die ich mich von Herzen gefreut habe.
Wann genau
ich dieses neue Lebensjahr begonnen habe – ob heute, vor einer Woche, vor einem
Monat oder wie in „Zurück in die Zukunft“ morgen oder gestern – ist ja auch
schnurzegal.
Es war vom
Gefühl her kein idealer Geburtstag.
Manchmal eben eine Nummer zu kühl. Woran für mich eine Person die Hauptschuld
trägt. Ne – ich zähle mich inzwischen egoistisch nicht mehr dazu. Auch wenn es
ja eigentlich heißt, an Differenzen sei nie nur einer allein schuld.
Am Samstag
saßen Mama, Papa und ich kurz vor Mitternacht gemeinsam auf dem Sofa.
Alkoholfreier Sekt, Orangensaft und irgendwelche trockenen Chips-Bären warteten
darauf, nach der Glückwunschentgegennahme von uns verdrückt zu werden.
Kurz vor
Mitternacht kam Bruder hinzu. Die Raumtemperatur fiel gefühlt weit in den
Minusbereich. Allein seine Anwesenheit sorgte bei mir für leichtes Unwohlsein.
Mitternacht.
Eltern gratulierten, wie es eben nur Eltern können – oder Menschen, die einem
besonders nahestehen.
Dann Bruder. Nuschelte kurz einen Glückwunsch, Händedruck. Nur Zehntelsekunden
später waren wir wieder auf Abstand.
Beim Anstoßen
verweigerte Bruder den eingeschenkten Sekt und Orangensaft und stieß
stattdessen zaghaft mit Cola mit uns an. (Selbstinterpretation ist erlaubt.)
Ungefähr fünf
Minuten später verließ Bruder den Raum wieder.
Etwa eine halbe Stunde danach ging Mama – der Hitze und einem spürbar
mangelnden Selbstvertrauen geschuldet, auf das ich aber nicht näher eingehen
möchte – schlafen.
Papa und ich
blieben noch sitzen, tranken Orangensaft und schauten auf „Bayern Alpha“ eine
Sendung über Forschungsergebnisse in Ägypten. Ausgerechnet auf dem
Fernsehkanal, der demnächst eingestampft werden soll.
Wir lachten
Tränen auf dem Sofa. Zwischendurch schlugen wir aber auch immer wieder ernste
Themen an und ich verhedderte mich in einem Wortnetz über Bruder, dass ich mir
besser gespart hätte.
Doch ganz ehrlich: Bruder geht mir derzeit einfach auf den Sack.
Sorry, aber deutlicher lässt sich meine Gefühlslage momentan kaum beschreiben.
Mit Papa hatte ich dennoch einen Riesenspaß bis zum letzten alkoholfreien Sektglas. Gegen zwei Uhr verzogen schließlich auch wir uns in unsere Betten.
Der eigentliche Geburtstag war schon okay.
Es kamen
Gratulationen von Leuten, die ich mag – die mir im Laufe der Jahre aber auch
etwas fremder geworden sind. Cousin, Cousinen und ihre Familien zum Beispiel.
Außerdem gratulierten mir Sportpeople – ehemalige und aktuelle Weggefährten.
Mit am
meisten freute ich mich allerdings über die Glückwünsche eines Carneval Clubs,
mit dem ich eigentlich nur an zwei Tagen im Jahr zu tun habe. Einmal am Tag der
Veranstaltung, wenn ich fotografiere, und ein zweites Mal, wenn ich die Bilder
abgebe.
Wir aßen
Käsekuchen. Es gab zwar noch mehr Kuchen, doch den blendete ich erfolgreich
aus. Später wurde dann als Familie gegrillt.
Für eineinviertel Stunden waren auch meine Paten samt Chihuahua zu Gast.
Bruder hielt sich während der Patenankunft fern vom Geburtstagstisch und
behauptete, er habe gar nicht mitbekommen, dass diese Menschen hier gewesen
wären.
Meine
Patentante und ich drückten uns zur Gratulation.
Wann das zuletzt so herzlich und voller Zuwendung geschah? … Es muss Jahre her
sein. Mein Patenonkel und ich schüttelten uns respektvoll die Hand.
Unter den
Geschenken möchte ich nur mein Aftershave „Australia“ sowie das Buch „Yellow
Face“ von R. F. Kuang erwähnen. Rund 30 Seiten habe ich bereits gelesen und den
Schreibstil der Autorin mag ich bislang sehr.
Die Spannende
Frage, ob es ein Geburtstagsgeschenk von Bruder gab, kann ich sehr zufrieden
mit: „Nein“ beantworten. Ich hätte mir auch schwergetan, irgendetwas
anzunehmen.
Eigentlich
wollte ich gerne gemeinsam mit meinen Eltern „Frühling“ schauen. Nicht einmal
wegen der Serie selbst, sondern einfach, um Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich
war jedoch zu unruhig und hielt nur knapp 45 Minuten durch.
Schließlich fand ich mein Plätzchen vor dem Computer.
Ich
kommentierte Kommentare, schrieb Blog – beziehungsweise bin gerade noch dabei –
und hörte dabei längst vergessene, aber immer noch so gemochte Lieder wie
„Someday I'll Be Saturday Night“ von „Bon Jovi“ oder „Carry On“ von „Manowar“.
Zwei Songs, die auf ihre ganz eigene Weise davon erzählen, trotz Gegenwind
weiterzugehen.
Irgendwie passten sie an diesem Sonntag besser, als mir zunächst bewusst war.
Draußen
kletterten die Temperaturen trotz des Windes auf bis zu 35 Grad. Innerlich
wurden sie jedoch immer wieder von einer bestimmten Person heruntergekühlt.
Ein Graus, dass ich das überhaupt noch zulasse. Gefühlt sank das Thermometer
dadurch auf mindestens minus 29 Grad.
Ich stehe nun
in einem neuen Lebensjahr.
Wie erwähnt: Seit wann genau, ist letztlich egal. Ein Lebensjahr, in dem sicher
einige Veränderungen auf mich warten.
Eine der
ersten Wandlungen muss unbedingt sein, sowohl mit allen Wassern als auch ganz
generell ausgeschlafener durchs Leben zu gehen.
Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?
