Am Morgen
stellte ich fest, dass meine geliebte Umhängetasche kaputt ist. Ein
Reißverschluss, der zum Innenleben der Tasche führt, ist richtig ausgefranst
und ließ sich bisher von mir nicht wieder einhängen. Nur gut, dass es zwei
Verschlüsse gibt.
Nach einigen Jahren darf man sich doch auch mal eine neue Tasche leisten. Für 20 Euro hat diese Tasche alle Erwartungen bei Weitem übertroffen.
So machte ich
mich auf nach Worms. Zu drei Vierteln ausgeschlafen.
Hin und wieder legte ich ein Minutenschläfchen ein – wohlgemerkt auf der
Rückfahrt deutlich mehr als auf der Hinfahrt.
Meine erste Anlaufstation bei der Taschensuche war „Woolworth“. Dort hatte ich damals die Tasche für verhältnismäßig kleines Geld gekauft.
Im Warensortiment gab es Rucksäcke, große und kleine, Bauchtaschen aus Leder und Stoff, Handtaschen in allen Größen und irgendwelche Taschen, die aussahen, als hätte sich ein schlichter Turnbeutel aus den 80er-Jahren mit einem modernen Zirkuszelt gepaart.
Nur eine Umhängetasche, die meiner ähnlich war, fand ich nicht.
Auch nicht beim „Müller“, „Rossmann“, „Kaufland“, „KIK“, „NKD“, „Media Markt“, „Intersport“ oder „TEDi“.
Was ich gar nicht mag, ist, in der Fußgängerzone von irgendwelchen Institutionen angesprochen zu werden. Ob es um Spenden geht: „Für die Kinder in der 3. Welt“ oder – wie an diesem Dienstag – für den „WWF“.
Einige dieser Naturburschen versuchten es immer wieder bei mir, wenn ich an ihnen vorbeilief. Jedes Mal hob ich abwehrend die Hände:
„Nein Danke.“
Darauf folgte meist von den Naturburschen und WWF-Girls:
„Einen schönen Tag.“
Beim letzten Vorbeirauschen am WWF-Stand sagte der „Lockvogel“:
„Es ist superwichtig.“
Woraufhin ich
ihm mitteilte:
„Ich bin jetzt superwichtig und muss vor allem superschnell zum Bahnhof.“
Klassisches
Unentschieden: Sowohl der Naturbursche als auch ich hatten mittelmäßig
geflunkert.
Wenn man schon flunkert, sollte man wenigstens eine gute Geschichte vorzuweisen
haben.
Die Strafe
für meine Flunkerei und dafür, dass ich keinen Abschluss für die Erhaltung der
Natur abgeschlossen hatte, folgte auf dem Fuße.
Ich hatte kaum den Stift für das erste Wort auf dem Papier angesetzt, da
tauchte zwischen meinen Füßen etwas Pelziges auf.
Eine Ratte!
Ich sprang auf wie von der Tarantel gestochen, schnappte meine Umhängetasche.
Ratte und ich tauschten Blicke aus. Die Ratte verschwand erschreckt wieder
unter der Bank im Dunkeln, und ich machte mich ernsthaft angeschreckt auf den
Weg Richtung Busbahnhof.
Sorry, es heißt ja: „Jedes Tierchen hat sein Pläsierchen.“ Bei Ratten mache ich allerdings eine dicke Ausnahme.
Ich bin sicher: Hätte die Ratte mir einen Vertrag von einem Naturschutzverein vorgelegt, ich hätte sofort und ohne Zögern unterschrieben.
Persönlich hoffe ich ja, dass die Mäusepolizei diese dreiste Ratte wegen Banküberfalls festnimmt.
Zuhause verspielte ich den Abend am Computer.
Ich hätte Trainingsprogramme schreiben sollen, doch mein Wollen war an diesem
Dienstag nur bedingt ausgeprägt.
Gefreut – wirklich sehr gefreut – habe ich mich über den Anruf des Bräutigams, der sich für die Fotos bedankte. Aus dem Hintergrund schrie seine Braut mir noch Geburtstagsglückwünsche ins Ohr. - Auch das erfreute mich sehr.
Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?
