
Sonny Rollins eigentlich Walter Theodore Rollins (* 7. September 1930 in New York City; † 25. Mai 2026 in Woodstock, New York) war ein US-amerikanischer Tenor-Saxophonist und Komponist des Modern Jazz. Rollins war einer der letzten prominenten Musiker der Bebop-Generation und veröffentlichte seit den späten 1940er Jahren mehr als 60 Alben unter eigenem Namen. Sonny Rollins war einer der einflussreichsten Jazz-Saxophonisten; er löste „die Improvisation aus der Umklammerung des Themas. Mit Kraft und Witz erfand er endlose Assoziationsketten, die bereits Mitte der 1960er-Jahre in Solokonzerten gipfelten.“
Rollins’ Spielweise zeichnete sich durch seine kraftvolle Klangfarbe, seine melodische Improvisation und seine technische Virtuosität aus. Er war bekannt für seine Fähigkeit, komplexe Rhythmen zu meistern und einzigartige musikalische Ideen zu entwickeln.
Leben und Werk
Rollins’ Eltern stammten von den karibischen Jungferninseln; seine Mutter Valborg kam von St. Thomas und sang ihm als Jungen häufig und gerne Lieder aus ihrer Heimat vor. Er wuchs in Harlem auf, wo ihn die Nähe zu Spielstätten wie dem Savoy Ballroom und dem Apollo Theater sowie die Musik von Louis Jordan, Fats Waller und Coleman Hawkins prägten. Schon früh kam er mit dem Saxophon in Berührung: Nach späterer Erinnerung bekam er im Alter von sieben Jahren von seiner Mutter ein Altsaxophon und war sofort von dem Instrument fasziniert. Zunächst spielte er nach dem Vorbild seines Bruders auch Klavier; als Teenager wandte er sich dem Altsaxophon zu und kam 1946 zum Tenorsaxophon. Erste Erfahrungen sammelte er im Harlemer Jazzclub Luckey’s Rendezvous. In der Highschool spielte er in einer Band mit später bekannten Musikern wie Jackie McLean, Kenny Drew und Art Taylor.1949 nahm er an der Seite von Babs Gonzales seine erste Schallplatte auf. Im gleichen Jahr folgten Aufnahmen mit J. J. Johnson, Bud Powell und Art Blakey. In der Anfangszeit seiner Karriere arbeitete Sonny Rollins am häufigsten mit Miles Davis zusammen, mit dem er seit 1951 auch zusammen aufnahm. Im Januar 1951 entstand mit I Know die erste Single unter Rollins’ Namen, und zwar bei Miles Davis’ erster Session für Prestige (Miles Davis and Horns).
1954 komponierte er für eine Davis-Aufnahme drei Rollins-Kompositionen, die zu Jazzstandards werden sollten: Airegin, Doxy und Oleo. Außerdem entstanden Aufnahmen mit dem Pianisten Thelonious Monk, der ihn stark beeinflusste. Wie viele Jazz-Musiker in den 1950er Jahren war Sonny Rollins drogenabhängig. Seine Drogenabhängigkeit führte 1950 zu einem bewaffneten Raubüberfall, nach dem er zehn Monate auf Rikers Island inhaftiert war; 1955 gelang ihm nach einem Rehabilitationsprogramm der Entzug. Nach dem Entzug spielte er als Nachfolger von Harold Land bis 1956 im Quintett zusammen mit Clifford Brown und Max Roach.
Nach Browns Tod 1956 und einem kurzen Gastspiel im Miles-Davis-Quintett trat er im Folgenden meist unter eigenem Namen auf, häufig im damals ungewöhnlichen Trio ohne Harmonieinstrument (heute eine Standardbesetzung, für die er Vorreiter war). 1956 erschien mit dem Album Saxophone Colossus eine seiner bedeutendsten Aufnahmen, u. a. mit dem Calypso St. Thomas (eine Reverenz an die karibische Herkunft seiner Mutter), der ebenfalls zum Jazzstandard wurde. Das auf demselben Album enthaltene Blue Seven wurde später als Beispiel für Rollins’ thematische Improvisation hervorgehoben, bei der aus kleinen Motiven weitgespannte Soli entwickelt werden. Mit Way Out West (1957) erprobte Rollins die pianolose Trioform aus Saxophon, Bass und Schlagzeug in einem spielerisch mit Western-Motiven arbeitenden Album weiter. Auch in den folgenden Jahren schrieb er mit Blues Waltz, Valse Hot, Pent Up House, Blue Seven und Pauls Pal Kompositionen, die häufig von anderen Musikern interpretiert werden. 1956 fand auch die einzige Studiobegegnung mit John Coltrane statt (Tenor Madness), als sie über einen Blues in B zwölf Minuten improvisierten.
Seine knapp zwanzigminütige Freedom Suite nahm er 1958 auf; sie entstand nach rassistischer Diskriminierung bei der Wohnungssuche in New York und verband die offene Trioform mit einem frühen musikalischen Beitrag zu Bürgerrechts- und Freiheitsdebatten. 1959 hatte er in San Francisco ein Quartett mit Scott LaFaro, Elmo Hope und Lennie McBrowne, das danach Harold Land übernahm. Im selben Jahr trat er im Trio mit Pete LaRoca und Henry Grimes auch in Deutschland auf, besuchte das Sanremo-Jazzfestival und trat in Chicago beim Playboy Jazz Festival auf. Seit 1956 spielte er innerhalb von nur drei Jahren „vierzehn brillante Alben“ ein. Ab Mitte der 1950er Jahre galt Sonny Rollins als talentiertester Nachwuchssaxophonist. Er gewann 1957 die entsprechende Kritiker-Umfrage des Down-Beat-Jazzmagazins und galt einige Zeit als der neben John Coltrane meist versprechende Tenorsaxophonist.
In der Zeit zwischen 1959 und 1961 zog er sich überraschend aus der Öffentlichkeit zurück, da er nach eigener Aussage zu viel in zu kurzer Zeit erreicht hatte. Er gab das Rauchen und den Alkohol auf, las viel in seinem Apartment in Manhattan, wurde Rosenkreuzer und versuchte sogar, das Saxophon-Spiel „neu zu lernen“. Da das den Nachbarn zu laut war, übte er häufig auf der nach Brooklyn führenden Williamsburg Bridge in New York City, wo er sich auch gelegentlich mit Steve Lacy traf. Während dieser Auszeit übte Rollins zeitweise bis zu 15 Stunden täglich auf dem Fußweg der Williamsburg Bridge. Über seine Erfahrungen, die „das Fundament für sein Leben als unerreichbarer Improvisator“ legten, sagte Rollins zu Whitney Balliett:
„Du stehst da oben über der ganzen Welt. Du kannst runterschauen, und da ist die Skyline, das Wasser, die Bucht. Es ist ein wunderschönes Panorama. Du kannst da oben so laut spielen, wie du willst. Und du kommst ins Nachdenken. Diese Pracht gibt dir eine ganz neue Perspektive.“
Die erste Aufnahme nach seinem Comeback (auf dem Wohltätigkeitskonzert für die Witwe von Booker Little 1961) nannte er in Anspielung darauf The Bridge. Das Album verband die symbolische Rückkehr mit einem kammermusikalisch warmen Quartettklang, der besonders durch das Gitarrenspiel von Jim Hall geprägt war. Die Brückenepisode wurde später so eng mit seiner Biografie verbunden, dass Forderungen aufkamen, die Williamsburg Bridge zu seinen Ehren umzubenennen. Bis 1966 arbeitete er auch mit Jim Hall (mit dem er ein Quartett hatte), Don Cherry (der Hall 1963 in seinem Quartett ersetzte) und Paul Bley zusammen. In dieser Phase öffnete er sein Spiel unterschiedlichen Richtungen: What’s New? (1962) griff lateinamerikanische Musik auf, Sonny Meets Hawk! (1963) stellte ihn seinem Tenorsaxophon-Vorbild Coleman Hawkins gegenüber, und East Broadway Run Down (1966) verband freiere Improvisation mit Rollins’ ausgeprägter melodischer Logik. 1963 reiste er nach Japan, 1965 auf das Berliner Jazzfestival und nach London. 1968 reiste er u. a. nach Indien; im selben Jahr trat er mit Mary Lou Williams in Kopenhagen auf. Ab 1969 zog er sich wieder zurück, diesmal bis 1971. Während dieses zweiten Rückzugs vertiefte er sich in einem indischen Ashram in Yoga, Philosophie und Meditation. Seit Anfang der 1970er Jahre war Rollins beim Label Fantasy Records unter Vertrag: Seine Schallplatten der 1970er und 1980er Jahre, bei denen er sich oft am Klang der Fusion-Welle orientierte, konnten jedoch qualitativ oft nicht an seine früheren Aufnahmen anknüpfen. In den 1970er Jahren nahm er auch R&B-geprägtes Material auf und interpretierte unter anderem Stücke von Stevie Wonder und Patrice Rushen. In den 1970er Jahren war er regelmäßig mit eigenem Quintett (ab 1972) und mit den Milestone All Stars (Ron Carter, Al Foster, McCoy Tyner, ab 1978) auf Tour, auch verschiedentlich in Europa, wie auch in den 1980er Jahren. 1974 spielte er mit Rufus Harley beim Montreux Jazz Festival und auf den Berliner Jazztagen. In den 1980er Jahren verband er sein Spiel weiter mit Funk- und Calypso-Elementen und spielte ungenannte Saxophonsoli für das Rolling-Stones-Album Tattoo You ein.
Seit den 1990er Jahren hatte er sich als einer der herausragenden Solisten des klassischen Modern Jazz etabliert und galt vielen „als der letzte große Event der Jazzgeschichte“. Seine Spielweise war kraftvoll, manchmal fast derb, jedoch immer sehr melodisch und von einem lakonischen Humor durchsetzt (er galt schon in der Schule als Spaßmacher). Rollins beschrieb seine Improvisation selbst als ein Vorgehen ohne vorgefassten Plan, bei dem er nur die Struktur eines Stücks im Bewusstsein behielt und die Ausgestaltung offen ließ. Er veröffentlichte weiterhin Aufnahmen, die von der Kritik wohlwollend aufgenommen wurden, und trat regelmäßig auf. Ende der 1990er Jahre verband er seine Musik auch mit Klimaschutzengagement, etwa durch Benefizkonzerte und das Album Global Warming (1998). Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 wurde Rollins aus seiner Wohnung in Downtown Manhattan evakuiert; unter dem Eindruck dieser Erlebnisse nahm er das Album Without a Song: The 9/11 Concert auf, für das er 2006 den Grammy bekam. Rollins und seine Frau Lucille lebten damals nur sechs Blocks vom World Trade Center entfernt; wenige Tage nach der Evakuierung fuhr er mit seinem Saxophon nach Boston und spielte dort das Konzert, das später als Without a Song: The 9/11 Concert veröffentlicht wurde.
Rollins war 1957 kurz mit Dawn Finney verheiratet; Lucille Pearson lernte er im selben Jahr kennen und heiratete sie 1965. Lucille Rollins übernahm 1971 sein Management und kümmerte sich jahrzehntelang um Plattenverträge und Auftritte. 2004 starb Lucille Rollins. Rollins gründete nach einer Zeit der Trauer seine eigene Produktionsfirma Doxy Records. Ein weltweit operierender Vertrieb organisiert den Verkauf seiner Aufnahmen. Sein letztes Konzert gab er 2012; 2014 beendete er das Saxophonspiel, nachdem bei ihm Lungenfibrose diagnostiziert worden war.
Quelle : Wikipedia