Vorwort
Der Erbsalclan ist eine Gruppe von Erbsaln die in die Fremde ziehen um die Welt zu erkunden und viel zu lernen. Einiges der Geschichte entspricht der Wahrheit, doch das Meiste ist frei erfunden. Für Kinder ab 7-8 Jahren geeignet.
Viel Spaß beim Lesen oder Vorlesen, und beim kreativen Mitarbeiten der Kinder.
© E. Maria K.
Die Vorgeschichte
Im Erbsenland, speziell in der Hauptstadt Erbslingen, wurde es 119 Erbsaln zu eng, zu laut und es gab nicht genug Wasser für alle. Außerdem müssen sie ohnehin alle zwei bis drei Jahre das Anbaugebiet wechseln, da Erbsaln eine hohe Unverträglichkeit mit sich selbst aufweisen.
Deshalb machten sie sich auch diesmal auf den Weg in die große, weite Welt, um für sich das ideale Land für die nächsten Jahre zu finden. Die Erbsal mögen zwar keine Staunässe, aber Trockenheit mögen sie genauso wenig. Sie waren schon immer eine „Horde“ Aufsässiger. Deshalb wurden sie auch von den anderen Gemüsearten „der Erbsalclan“ genannt.
In Wirklichkeit bilden sie nur eine Kolonie, da sie mit den Lebensumständen und ihren Nachbarn und Verwandten in Erbslingen nach einiger Zeit äußerst unzufrieden sind. Jedoch jede ihrer Traditionen lieben sie, und diese sind sie auch nicht bereit, egal für wen oder was, aufzugeben.
Das Beste was den Erbsaln passieren könnte wäre natürlich rechtzeitig geerntet und/oder weiter verarbeitet zu werden. Denn nur so bereiten sie den Menschen und Tieren eine Mahlzeit und hätten ihren wahren Sinn erfüllt.
Am Abend vor dem Abreisetag der Artgenossen und Verwandten veranstaltet immer das älteste Erbsal mit dem größten Wissen von Erbslingen einen Schulungsabend. Das machen sie damit der jeweilige Erbsalclan ausreichend vorinformiert ist, und manche Gefahren automatisch ausgeschlossen werden können. Zusätzlich beruhigt es die alten Erbsaln etwas, mit dem Wissen das Bestmöglichste für die Reisenden getan zu haben.
Der Infoabend
Eigentlich stellen die Erbsal keine hohen Ansprüche an die Nährstoffversorgung des Bodens, und sie keimen sogar schon bei niedrigen Temperaturen.
Sobald die Bodentemperatur 8°C erreicht hat, können sich die Erbsalsamen in Etappen bis in den Frühsommer ankeimen. Sie benötigen einen lockeren, leichten Boden, begnügen sich mit einem eher schattigen Standort aber gedeihen auch in der Sonne gut. Da die Pflanzen zum Glück robust sind, machen ihnen auch Witterungseinflüsse wenig aus.
Bevor die Erbsalsamen gesetzt werden können, suchen die Alten die richtigen Nachbarn für ihren Nachwuchs aus. Am wohlsten fühlen sie sich neben den Gemüsenachbarn wie Dille, Fenchel, Gurken, Mais, Möhren, Kohlarten wie Kohlrabi, Kopfsalat, Radieschen sowie Zucchini.
Danach hüpfen und springen die alten Erbsaln solange, bis sie ihre Samenbabys entweder in eine schmale Rille oder in Doppelreihen in eine breite Rille platzieren können.
Das ist ziemlich anstrengend für die Erbsal Senioren und Seniorinnen von Erbslingen, denn die
Saattiefe beträgt 4-6 cm.
Die alten Erbsaln haben es wirklich nicht leicht, denn sie müssen auch darauf achten, dass der
Pflanzabstand 5 cm in der Reihe sowie 30 cm zwischen den Reihen beträgt.
Die
Direktsaat findet von März – Mai statt und die
Keimdauer dauert 1 – 3 Wochen.
Um den Nachwuchs zu schützen brauchen die jungen Erbsaln anfangs am Besten ein
Kulturschutznetz. Sobald sich Blüten und später Hülsen bilden, wird auch der Wasserbedarf höher.
Die Wachstumsdauer von so Jungerbsaln beträgt 2-3 Monate, bis sie Erntereif sind.
Weil Erbsaln Kletterpflanzen sind, umschlingen sie gern alles, was sie finden können.
Als Rankenhilfe eignen sich z.B. Bambusstäbe oder ein Ast. Sie sind von Vorteil aber nicht zwingend notwendig.
(Mach dich schlau! Nimm ein Lineal und einen Kalender zur Hand. Schau nach wie lange
4 - 6 cm sind bzw. der Abstand ist, und kreuze jeden Tag im Kalender an der vergeht, um zu sehen wie lange 1-3 Wochen sind bzw. es tatsächlich dauert.)
Junge Schote oder rundes Erbsal im Hülsenhaus
Solange die junge Schote noch keine fühlbaren Erbsaln gebildet haben, kann man diese natürlich als Schote ernten. Jedoch sobald man die runden Erbsaln in ihren Hülsenhäusern fühlen kann, kann man auch hier mit der Ernte beginnen. Je frischer und jünger die Erbsal sind, desto besser schmecken sie. Der Geschmack verändert sich im Moment des Pflückens, da die Zuckerstoffe sich in Stärke verwandeln. Deshalb empfiehlt es sich, sie möglichst unmittelbar vor dem Verzehr oder der Weiterverarbeitung zu ernten.
Der Abreisetag
Es ist soweit, der Abreisetag war gekommen und in der ganzen Stadt Erbslingen ein Gewusel und eine Aufregung, dass die Hälfte reichen würde. Ein Hin- und ein Hergerolle sowie ein Gehopse von den Jüngsten, man musste sich dem Treiben fügen oder am Rand halten und ausweichen, sonst würde man überrollt werden dachte sich einer der Ältesten. Die Erbsaln selber sagen ja gar nicht rollen, sondern eigentlich kullern oder kugaln sie in der Gegend herum. Was genau genommen ja so stimmt, und natürlich auch viel niedlicher klingt.
Der Erbsalboss hielt noch eine kurze Verabschiedungsrede, forderte die Jugend auf sich zu formatieren, zu folgen und so viel wie möglich auf ihrer Reise zu lernen. Dann tanzte er mit den Älteren einmal um die eigene Achse, bevor die Entdeckungsreise der 119 Erbsaln begann.
Über Täler und Berge des Erbsallandes kullerten sie vergnügt und hatten auch manchmal sogar ein Wanderlied gesungen oder gepfiffen. Sie winkten ihren Artgenossen wenn sie welchen begegneten. Diese wiederum wünschten schreiend eine gute Reise.
Erlebnisse
Es war so aufregend, sie kamen aus dem Staunen nicht heraus was sie so alles sahen. Die unterschiedlichsten Landschaften. Aber auch die Wetterverhältnisse änderten sich ständig. Manchmal mussten sie sich extrem hüten vor der Witterung, denn bei zu viel Hitze würden sie austrocknen, und bei zu starker Nässe entweder ungewollt austreiben oder gar verfaulen. Und dann waren da noch all die vielen anderen Gefahren.Nach einiger Zeit hatten sie aber eine Lösung für diese Probleme gefunden.
Sie machten kurz an gefahrlosen Stellen Rast, keimten und zogen neue junge Erbsal auf, bevor es mit der Reise weiter ging. Die alten und schwächsten Erbsaln von ihnen ließen sie zurück. Wenn die sich erholen konnten, konnten sie ja nachkommen, oder dort bleiben wo sie waren und eine eigene neue Kolonie bilden. So gab es bald in vielen Ländern Erbsaln, und jeder konnte davon profitieren.
Die Erbsaln mussten immer schauen, dass sie auch 119 an der Zahl waren, denn in dieser Zahl gingen sie weg, und mit dieser Zahl wollen sie auch wieder zurückkommen. Bei ihrer Reise konnten sie tatsächlich viel lernen. Sie sahen zum Beispiel wie sich die Menschen fortbewegen. Oder wie sie übers Wasser kamen ohne nass zu werden. Die Menschen kullerten gar nicht, die hatten 2 Stelzen auf denen sie sich fortbewegten. Aber damit machten sie auch alles platt, was nicht auswich. Oder manche Tiere, die hatten auch 2 so Dinger, nur größer und eine Rasse sogar einen riesigen Schwanz, auf dem sie sich abstützten. Am Bauch hing da so ein Beutel dran, wo sie ein Baby spazieren trugen. Das musste gar nicht selber gehen. Oder viele andere Tiere mit 4 so komischen Dingern. Es gab große und kleine Tiere, und so einige von ihnen hatten die Erbsal zum Fressen gern.
Diese Reise war schon sehr aufregend. In jedem Land gab es eine andere Sprache. Kaum verstanden die Erbsal eine mal etwas, erreichten sie deren Grenze und schon war es wieder vorbei. Auf der anderen Seite dieser Grenze war ein neues Land und eine neue Sprache, Mit der zeit entwickelten die Erbsal aus all den vielen verschiedenen Sprachen eine ganz speziell Neue für sich. Aber sie hielten sich ganz genau an die Abmachung mit dem Erbsalboss. Es wird so viel wie möglich erkundet, gelernt, angebaut, weitergereist und zum Schluss daheim dann berichtet.
Wasser, Wasser, nichts als Wasser
Wie sollte es auch anders sein, es kam der Tag der Tage. Der „Erbsalclan“ kam am späten Nachmittag am größten Wasser ihres Lebens an.
Aber wie kamen sie da nur ans andere Ende? Noch dazu unbeschadet?
Gibt es denn eigentlich eine andere Seite, fragten sie sich. Man kann außer Wasser ja nichts sehen. Ist dort hinten die Welt aus oder gibt es doch noch ein Land?
Sollten sie vielleicht doch besser wieder umdrehen? Jetzt am Abend wurde es zum Glück kühler, aber am Tag hätte es eine unerträgliche Hitze, da müssten sie sich verstecken. Aber wo? Es gab ja nur Sand. Zum ersten Mal waren sie wirklich ratlos.
Doch da sahen sie, wie Große schwerfällige Tiere aus dem Meer kamen. Diese hatten einen runden Rücken der wie ein Fels aussah, und den sie mit sich herum trugen. Die Erbsaln sahen wie sie mit ihren vorderen Dingern die wie so eine Art Schaufel aussieht, den Sand zur Seite schleuderten, und durch diese Bewegung ein Loch im Sand entstand. Der Sand da unten war viel dunkler als der, der ganz oben lag. Merkwürdig schaute das schon aus, aber jetzt wurde es für die Erbsal erst so richtig interessant.
Diese Tiere legten ihre Eier in diese tiefe Grube und schütteten sie wieder zu.
Das war so einem Erbsalteenager jetzt doch zu merkwürdig. Es kullerte mutig aus der Reihe und Schnur stracks auf die Gruppe der riesigen Meeresbewohnerinnen zu. „Hey ihr da“, grüßte es vorlaut. „Sagt mal, warum verbuddelt ihr denn euren Nachwuchs?“, fragte es ungeniert weiter. Die letzten Schildkröten waren noch nicht sehr weit gekommen, denn die Schaufel.- und Schüttarbeit sowie die Eiablage war für alle sehr anstrengend. Eine davon drehte sich aber doch um und meinte sehr schwach: „Wegen der Wärme, der Luft die sie benötigen und weil sie so am Geschütztesten sind.“
„Und warum lasst ihr sie dann alleine, statt sie zu bewachen und ihnen zu helfen?“, wollte das junge Erbsal wissen. Aber ohne eine Antwort abzuwarten plauderte es ohne Hemmungen weiter: „ Das ist schon eigenartig, denn bei uns ist das ganz anders. Da passt man auf einander auf, wir wachsen gemeinsam, also 5 bis 7 Erbsal in einer Hülle auf, bis wir geerntet werden. Nur wenn wir zu viele sind, dann machen sich einige, also eigentlich die Letzten auf den Weg, erkunden die Welt und bilden teilweise neue Kolonien.“In der Zwischenzeit kullerten auch die anderen Erbsaln dazu. Der Erbsalboss von den Auswanderern fragt nun: „ Sag mal, was ist nach dem Meer? Hat das auch ein Ende? Gibt es danach Land? Oder ist am anderen Ende die Welt aus?
Jetzt lachten die Schildkröten und meinten fast im Chor: „Es gibt kein Ende der Welt. Wir Meeresbewohner wissen das. Laut den verschiedensten Arten und auch durch das Wissen der Vögel ist die Erde rund.“ „Oh, das ist toll. Dann kommen wir ja doch irgendwann wieder nach Hause.“, freute sich so ein Minierbsal und kullerte im Kreis.
„Naja ganz so einfach ist das nicht“, warnte der Erbsalboss. „Immerhin müssen wir erst einmal unbeschadet und trocken dieses große Wasser überqueren. Und wie ihr wisst, sind all unsere Vorfahren daran gescheitert.“
Plötzlich meinte die Schildkröte: „ Wenn es sonst nichts ist. Wir könnten euch doch ans andere Ende bringen.“ „Das klingt verlockend“, gab der Erbsalboss zu. „Aber was wenn ihr hungrig werdet, dann fresst ihr uns. Das wäre uns natürlich eine Ehre, aber ans andere Ende kommen wir wieder nicht.“ Jetzt lachten alle Schildkröten, die das noch hören konnten. Denn einige von ihnen waren schon im Meer. „Was gibt es da zu lachen?“, fragte eins der Jungen aufmüpfig. „Nun ja, ihr steht nicht auf unserem Speiseplan. Und außerdem seid ihr viel zu klein, als dass auch nur eine von uns satt werden würde.“ „Okay, das ist ein Argument“, meinte ihr Boss nachdenklich. „Aber wie wollt ihr uns denn transportieren? Wir sind alle rund. Wir kullern doch runter wenn ihr euch bewegt.“
Nun wendeten sieben der Schildkrötendamen und buddelten wieder eine Grube. Diese war jedoch nur so groß, dass sie die Segel darin eben ausstrecken konnten. Die Anführerin der Sieben meinte dann: „ Rollt unsere Flossen hoch, und wenn ihr oben seid werden wir sie sanft anheben damit ihr in unseren Panzer kullern könnt.“ Zwischen dem Panzer und unserem Körper seid ihr vom Wasser geschützt.“ Der Erbsalboss konnte sich das nicht ganz vorstellen, aber er teilte die ersten 17 Ältesten einmal ein, um zu sehen ob das auch wirklich stimmt. Wie gesagt so getan. Die erste Schildkröte hatte ihre Passagiere an Bord und schwamm eine kleine Runde. Danach ging sie wieder ein kleines Stück an Land damit sich der restliche Erbsalclan davon überzeugen konnte, dass es den Ältesten von ihnen auch noch wirklich gut geht. „Etwas im Inneren wird man herumgekullert, aber es ist nicht schlimm“, schrie so ein Opa aus einem Zwischenraum.
Na dann mal los. Jede Meeresschildkröte hat 17 Passagiere zu Gast. So ist es für alle Beteiligten am Angenehmsten. Das ist der schnellste und beste Transport für den „Erbsalclan“. Denn so Meeresschildkröten schwimmen am Tag bis zu 100 Kilometer, und legen insgesamt eine Strecke von mehr als 2.600 Kilometern zurück. Und so kamen die Erbsaln in weniger als einem Monat am anderen Ende des Meeres unbeschadet an.
Sie bedankten sich bei den Schildkrötendamen und versprachen ihnen, überall und jedem von ihrer edlen Tat und Hilfe zu berichten. Etwas eingerostet kullerten sie ihre Reise wieder selbständig fort.
Muhzi, Mauzi und Co.
Nach zweitägiger Wanderung durch die Wälder begannen die ersten Erbsaln herum zu motzten. Im Wald war es so schön und angenehm. Jetzt ist das Land nur flach und stinkt ekelhaft. Aber dennoch mussten sie weiter, ob es ihnen nun gefiel oder nicht. Auch die Ältesten meinten, dass es ein komisches Land ist. Wo alles flach, grün, gelb und braun ist. Und diese komisch, großen runden gelb -beigen Dinger. Das waren keine Kugeln, denn seitlich waren sie flach. Es roch nicht einmal schlecht, aber man musste aufpassen, dass man sich nicht daran piekste. Der Boss des Clans beschloss unter diesen Dingern die Nacht zu verbringen. Es wirkt stabil und bietet hoffentlich Schutz, sollte es unverhofft zu regnen beginnen.
Es war eine klare, angenehme Nacht mit vielen Sternen am Himmel. Alle fühlten sich richt wohl, fast wie zu Hause. Die Ältesten unterhielten sich über ihren ehemaligen Wohnort, und die Jüngsten hörten ihnen dabei zu. Während sie dabei vor sich hinträumten, schliefen sie nach einander ein. Am nächsten Morgen wuschen sie sich mit dem Morgentau, und an einer anderen Stelle nahmen sie auch so gleich eine Erfrischung zu sich, bevor die Reise weiter ging.
Vergnügt kullerten sie am Wegesrand entlang und trällerten dabei ein Wanderlied. Als ihnen plötzlich ein brummendes, klapperndes Blechtrumm entgegen rollte. Aber dieses Ding war viel schneller als sie. Es hatte an jeder Seite zwei riesige Kullerdinger, ein Blechgehäuse umrahmte es. Mittig oben auf war ein Sessel auf dem ein Mensch saß. Dieses knatternde Teil war zwar auch grün, aber wurde von dem Menschen gelenkt. Zur ihrer Sicherheit rollten die Erbsal etwas am Wegesrand hinunter. Von da aus konnten sie zwar ni hat den Teil nach der Straße sehen, aber es war bis jetzt auch auf beiden Seiten die gleiche Landschaft. Nach und nach kamen immer wieder einmal so Klapperdinger und sogar auch in rot. Die Erbsal waren sich einig, dass die roten Dinger einen Sonnenbrand haben müssen, denn sie schauen unnatürlich aus. Einer von ihnen hatte sogar so einen stinkenden, rollenden, länglich runden Teil hinten dran. Darin war eine Flüssigkeit, die sie aufs Feld sprühten. Das war es auch, warum es in der Gegend so ekelhaft stank.
Es dauerte nicht lange und sie waren vor dem ersten Schild des Dorfes „Owastinkendorf“.
Jetzt war ihnen alles klar. Die Kleinsten unter ihnen kicherten über den witzigen Namen.
„Nun ja meine Lieben, haltet Ausschau wir suchen eine Bleibe für längere Zeit. Ihr wisst ja, unsere Aufgebe lautet vermehren und lernen, bis wir wieder reisefähig sind“, sagte der Boss und verdrehte dabei die Augen. Ein Teenagererbsal meinte etwas hochnäsig: „Wenn ich das früher gewusst hätte, wäre ich nicht übers große Wasser mitgereist.“ Daraufhin bekam sie vom Erbsal an ihrer rechten Seite eine gekullert, dass sie das Gleichwicht verlor und ein anderes Erbsal kullernd anstupste. So ging es Erbsal für Erbsal, und löste somit eine Kettenreaktion aus. Genervt brüllte nun der Boss: „Lasst den Unfug! Formatiert euch lieber wieder, damit wir unbemerkt eine passende Bleibe finden.“ So streng haben sie ihn noch nie erlebt. Aufgeregt beeilten sie sich um seinen Befehl umzusetzen.
Geschickt kullerten sie durchs Dorf. Da war plötzlich eine Minibrücke, und unter ihr ein Bach. Auf der Brücke wuchs aus einem Spalt tatsächlich eine Sonnenblume. An dieser hielten sie sich fest. Jedes Erbsal stieg dem Unterem auf den „Kopf“. So bildeten sie eine Kettenreihe und konnten die Gegend ideal begutachten. Das kleinste und zarteste Erbsal war ganz oben. Es drehte sich vorsichtig im Kreis und fiepste dann aufgeregt: „ Ein Stück noch, ein klitzekleines Stück noch, und dann rechts, da ist etwas abgelegen ein Haus und ein großer Garten, und dann wieder Felder.“ Danach kullerte es langsam wieder an den Anderen herunter, und jedes Erbsal machte es ihm nach. Somit war allen klar wo der heutige Tag zu Ende gehen würde.
Tatsächlich ein toller Garten mit viel Gemüse. Aber was war das für ein Gemuhe und Gegrunze? Dazwischen ein Gackern, Kikerikien sowie ein Gewuffe. Da waren sich alle Erbsal einig, es war eine Geräuschkulisse zum Fürchten.
(Weißt du um welche Tiere es sich hier handelt?)
Aber das Gemüse war extra eingezäunt und liebevoll Beet für Beet angeordnet. In der hintersten Ecke nisteten sich die Erbsaln ein. Nicht lange genug um zu keimen, aber doch lange genug um sich zu erholen. In den Nächten kam immer eine Fellnase und kuschelte sich an die Erbsaln heran. Es miaute und schnurrte immer kurz bevor es eingeschlafen war.
In diesem tollen Garten gab es auch andere Erbsaln. Beide Erbsalvölker unterhielten sich angeregt und tauschten Erfahrungen aus. Fünf der ältesten Erbsaln vom Clan wollten nicht mehr weiterreisen sondern hier bleiben. So durften fünf der jüngeren aus dem einheimischen Clan auswandern und mit dem fremden Erbsalclan mitreisen.
Nach drei Tagen der Rast machten sie sich wieder auf den Weg zum endlich nach Hause zu kommen. Als guten Rat bekamen sie noch mit sich von Städten fern zu halten. Diese lauten, stinkenden unfreundlichen Gegenden sind absolut nichts für reisende Erbsaln. Am Besten ist es solche Landschaften eher zu meiden oder nur am äußersten Rand zu umkugaln.
Rumtatata und Tütü träller, Ringeding, Bimbim
Nach einigen Tagen und Nächten der Wanderschaft sahen sie viele Häuser und kaum noch Wiesen oder Wälder. „Es ist soweit. Wir nähern uns der ersten Stadt“, sagt der Clanboss. Es war so aufregend und interessant, dass sie auf den Rat und die Warnungen vergessen hatten. Als es ihnen wieder einfiel, war es aber schon zu spät. Ein hektisches, lautes Treiben umgab sie plötzlich, und alles um sie herum ist nur aus Beton. Rumtatata und Tütü träller, Ringeding, Bimbim kam es aus allen Richtungen. Sie wussten nicht wo sie zuerst ausweichen sollten. Endlich kamen die Erbsaln zu einem Park. Sie flüchteten förmlich hinein. Kaum drinnen angekommen kuschelten sie sich an der Parkmauer eng aneinander, um endlich
zur Ruhe kommen zu können. „Wir müssen hier raus. Das steht mal fest. “, meinte ein besorgtes Erbsal. „Ja genau. Aber am Besten in der Nacht, da ist bestimmt nicht so viel los. Bleibt beisammen und ruht euch jetzt aus“, sagte der Erbsalboss. Und dann fügte er noch beschämt hinzu: „ Es tut mir leid, dass ich uns in diese Situation gebracht habe.“
Ein „ist schon gut“ oder „wir waren alle neugierig“ ging durch die Reihen. Danach wurde es still.
Zum Glück war ihr Anführer sehr weise und hatte Recht, dass es in der Nacht wesentlich ruhiger zuging und kaum jemand unterwegs ist. Mit den Worten: „Kommt wacht auf. Wir müssen weiter. Raus hier, rasch“, weckte er alle auf. Jedes stupste das Nächste an der Seite an. Er sah richtig stolz seinem Clan zu und dachte bei sich wie gut organisiert sie doch sind.
Sie kullerten aus dem Park, entlang der Parkmauer und immer in eine Richtung um so rasch wie möglich aus dieser Stadt zu kommen. Bei Tagesanbruch waren sie in einer Gegend wo kein „bimbim“ oder Gehupe mehr zu hören war. Aber es gab kleine, niedrige Häuser, die unbewohnt waren. Eine komische Landschaft, denn dahinter, also hinter diesen kleinen Häusern waren lauter lang gezogene Reihen mit Rebstöcken. Grüne und rote Weintrauben hingen überall herunter.
„Juhuuuu“, schrie ein Minierbsal. „Wir haben es geschafft“, ergänzte ein Anderes.
Das war ihnen eine Lehre. Nie wieder würden sie in eine Stadt hineinkullern. Nie, nie wieder.
Und so ging ihre Wanderschaft mit einer Erfahrung mehr in Richtung Heimat weiter.
Über Berge und Täler, vorbei an Bächen, über Wiesen und durch Wälder. Sie sehen und lernen viel, und sie passen aufeinander auf. Natürlich achten und respektieren sie auch jeden, dem sie begegnen. Sie sind ein richtig harmonischer Erbsalclan geworden. Und wenn sie noch nicht in Erbslingen angekommen sind, dann wandern sie wahrscheinlich noch immer. Aber vielleicht kannst du sie ja mal in einem oder sogar deinem Garten sehen? Wer weiß das schon.
(© E. Maria K.)