Nanna dachte angestrengt nach, was man an ihrem immer röter werdenden Kopf bemerkt. Luni beratschlagte sich mit Jenny, ob man Little nicht mit ein paar Broten vom Dach locken könnte. Aber man hatte Angst, dass sie sich wirklich für einen Vogel hält und herunterfliegen wollte. Also verwarf man diesen Gedanken gleich wieder.
»I hab a Idee«, sagte der Gärtner grinsend und ging zu gemächlich zu seiner Gartenhütte.
»Macht nichts, wenn’s schnell geht!«, rief ihm Senor Freundcha nach und schüttelte den Kopf.
Little taumelte auf dem Giebel herum und sang noch immer so schräg, dass sich der Giebel bog.
»Was soll nur der Graf denken?«, jammerte Jenny und war den Tränen nahe, weswegen sie Prof. Lemon liebevoll tröstend in den Arm nahm.
»Zu befürchten hast nix«, lachte Nanna dann zu Jenny, »Er kennt sich mit Vögeln nicht aus.«
»Pfft, aber mit Fummeln schon«, gab Lemon trotzig zurück, bevor er sich eine Ohrfeige von Jenny einfing.
»Ferkel!«, sagte Jenny pikiert, aber ging gleich wieder zum Ernst über. »Wie kriegen wir Little nun da runter? Irgendwelche Ideen?«
»Der Gärtner wollte doch… wo ist der denn?«, maulte Senor Freundcha.
Während immer noch alle Augen gebannt auf Little Angel gerichtet waren, erschütterte plötzlich eine kräftige Explosion die Luder-Akademie. Mit eingezogenem Genick drehten sich alle in Richtung der Gartenhütte um, wo man nur noch Rauch und einen Erdkrater sah. Als sich die Rauchschwaden langsam lichteten, segelte einsam eine rosa Latzhose vom Himmel herab und landete auf dem Boden.
»Was war das denn nun?«, fragte Luni erschrocken.
»Keine Ahnung, was der Kerl da trieb? Vielleicht Gas von Düngemittel oder so? Sowas kann schnell detonieren«, meinte Lemon.
Jenny drehte sich zu Nanna um und war wieder ganz Dekanin. »Nanna, wir brauchen einen neuen Gärtner. Einen mit Humor, hörst Du? Besorg gleich morgen einen, der das da aufräumen kann.«
»Wird gemacht!«, gab Nanna zur Antwort und salutierte wie ein Soldat.
»Hiiiiiilfeeeeeeee!«, rief nun Little Angel vom Dach und alle Augen drehten sich wieder zu ihr, die man wegen der Explosion ganz vergessen hatte. »Holt mich hier runter!«
»Scheinbar hat der Knall sie wieder ins Hier und Jetzt befördert«, murmelte Lemon.
»Wie auch immer… ich gehe und mache die Dachluke auf. Das Luder kriegen wir schon wieder rein«, sagte Senor Freundcha und schritt zur Tat.
Kaum war im Gebäude verschwunden wartete man ab, was nun passieren würde. Jedoch verlief die Rettung des Engelchens reibungslos. Senor Freundcha öffnete die Dachluke, stieg hinaus, balancierte wie ein Seiltänzer über den Giebel, nahm Little bei der Hand und geleitete sie sicher zurück zur Luke. Als dann beide durch diese verschwunden waren, applaudierte die Menge.
»Rettung geglückt«, sagte Luni nun einigermaßen beruhigt.
Endlich konnte das Fest beginnen. Man schwieg zwar anstandshalber eine Minute zum Gedenken an den eben verflossenen Gärtner, aber dann ging das große Fressen los. Alle packten mit großem Appetit zu und das Luder-Bräu floss in Strömen.
Graf Gurke pfiff auf Etikette und fragte mit vollem Mund Dekanin Jenny: »Und wie geht es weiter?«
»In der Akademie? Nun ja, wir erwarten demnächst neue Lehrkräfte. So zum Beispiel einen Gastdozenten aus Italien. Prof. Günther Eisack, ein Experte in Mösologie und Dr. Madde Madsen, der derzeit auf Expedition im wilden Saarland ist, wo er sich der Erkundung von Yetiweibchen verschreibt«, sagte Jenny nicht ohne Stolz.
Der Graf staunte, wen man alles zur Wissensvermittlung anheuert und freute sich, dass er das alles mit seinen Mitteln möglich machen konnte. In sicheren Händen wusste er die Nachwuchsluder ja. Das sah man an der Rettung von Little.
Bis spät in die Nacht ging das Fest und mit vollen Bäuchen und einem ordentlichen Rausch vom Luder-Bräu ging man anschließend in die Betten.
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