Die Sonne lachte und erstmals war es den ganzen Tag über warm. Nur im T-Shirt lief ich an dem kleinen Bach entlang, an dessen Ufer sich die ersten Blüten zeigten, die sich den Sonnenstrahlen entgegenreckten. Ein Summen lag in der Luft, das von zig Bienen und Hummeln stammte, die sich begierig auf den Nektar dieser ersten Frühlingsboten stürzten. Eine große Ansammlung von Buschwindröschen wurde von einer ganzen Traube von Hummeln wie ein Geschwader heimgesucht. Da musste ich lächeln, denn irgendwie sah das aus, wie ein Hummelkampfanflug auf die kleinen weißen Blüten. Ein begieriger Anflug. Als ich mich im Schatten einer Kapelle auf eine Bank saß, dachte ich darüber nach, ob Insekten auch Frühlingsgefühle haben? Warum nicht? Anders als der Mensch sind sie immer noch von ihren Urinstinkten gelenkt und leben im wahrsten Sinne des Wortes im Einklang mit der Natur. Warum also sollten sie nicht nach der langen Winterpause entsprechende Gefühle haben? Sich fortpflanzen wollen und sich an der Wärme und den Süßigkeiten der Blumen laben?
Ich schloss die Augen und hinterfragte die Natürlichkeit des Menschen. Wie weit hatte er sich doch in seiner Lebensweise von einem natürlichen Rhythmus entfernt. Ist der Mensch noch Teil der Natur oder hat er sich bereits so weit davon entfernt, dass er nur noch ein störender Faktor in der Umwelt ist? Meine Gedanken drehten sich weiter um die Frage, was denn eigentlich unsere Umwelt ist? Ist das wirklich noch Natur? Der Mensch hat so viel verändert und umgebaut, sich seine künstliche Umwelt erschaffen, dass man auch das nicht mehr mit der Natur unter einen Hut bringt. Unsicher, ob ich mit meinen Fragen nicht doch in die falsche Richtung abbog, stand ich auf und ging weiter meines Weges, aber mein Gehirn wollte nicht ruhen. Wenn der Mensch nicht mehr Teil der Natur war, dann hat er doch eigentlich seinen Daseinszweck verloren. Wozu ist der Mensch überhaupt da? Um sich zu vermehren, damit er sich - also seine Art erhält. Wozu?
Etwas genervt davon, dass mir dazu keine Antwort einfallen mochte, stieß ich beinahe mit einer Frau zusammen, die einen Kinderwagen mit einem Säugling vor sich herschob. Böse schaute sie mich Trampel an, sagte aber kein Wort und lief eiligen Schrittes weiter. Als ob sie gehetzt von irgendetwas wäre. Warum tun sich die Menschen immer noch die Vermehrung und Aufzucht neuer Menschen an, wenn man doch bei aller Logik schlicht obsolet für Natur und Planet ist? Folgt man also doch noch den natürlichen Instinkten; gar einem höheren Plan, den wir kleinen Geister nur nicht verstehen?